Erster Arbeitsgang / 1 Unterrichtseinheit
Imprimitur, Raster und Unterzeichnung
Für die Imprimitur lohnt zunächst ein Blick auf die Vorlage. Das
KI-Motiv simuliert vom Vordergrund bis fast in den Mittelgrund
einen einheitlich durchgehenden warmen Untergrund über nahezu die
gesamte Breite der Fläche. Diese Art einer freien Maltechnik ist zwar
völlig untypisch für Friedrichs tatsächliches Vorgehen, der
Farbton passt aber recht gut zu einer Landschaft direkt nach
Sonnenuntergang und eignet sich deshalb für die
Imprimtur. Diese Mischung besteht aus Molenaer Ocker und Siena gebrannt, dazu Daler-Rowney Gelb im Verhältnis 4:1:1. Die Farbe sollte gleichmäßig mit dem breiten Flachpinsel aufgetragen werden.
Ich selbst habe mir ein Raster erspart und nur an den Bildrändern
die Endpunkte markiert, durch die die Linien gehen würden. Den
Horizont habe ich etwas tiefer angelegt und die Berge akzentuierter definiert.
Wer ein Raster verwenden möchte, sollte es dünn mit dem
Aquarellgraphitstift anlegen und nach der Unterzeichnung wieder
mit einem feuchten Tuch entfernen, da die Linien ansonsten störend
unter den vorwiegend halbdeckenden und lasierenden Farbschichten
erkennbar bleiben könnten.
Zweiter Arbeitsgang / 2 Unterrichtseinheiten
Untermalung
Für die Untermalung sollten vorsichtshalber zwei
Unterrichtseinheiten kalkuliert werden, da hier eine homogene
Bildwirkung wichtiger ist als bei den meisten anderen Motiven.
Diese Farbschicht kann mit dem breiten Flachpinsel ausgeführt
werden. Wer lieber etwas mehr Kontrolle hat, kann auch den da
Vinci Nova Katzenzungenpinsel nehmen. Folgende Farben aus dem
Daler Rowney-Acrylfarben-Set werden benötigt: Weiß, Gelber Ocker, Hellbraun, Mittelgrün, Ultramarinblau und
Schwarz.
Um den Farbton der Imprimitur in die Untermalung einzubeziehen,
empfiehlt es sich, die Farbe dünn und mit ausreichend Waser
verdünnt aufzutragen, die Imprimitur darf überall durchscheinen
und wahrnehmbar bleiben.
Es ist sinnvoll, mit dem Himmel zu beginnen, der bei diesem Motiv
eine wichtige Funktion für die Bildwirkung einnimmt. Die Farbtöne sollten auf der
Palette gemischt werden. Bei der Mischung von rasch anziehenden
Acrylfarben auf der Bildfläche wird die Farbe schnell zu unruhig
und gerät in Versuchen der Korrektur auch zu deckend,
womit wiederum die Imprimitur zugedeckt wird. Unterhalb des oberen
Drittels kann man der Mischung mehr Weiß und Gelben Ocker zugeben,
ohne die Farbe deckender aufzutragen. Im unteren Bereich des
Himmels über dem Horizont darf die Imprimitur stehen bleiben.
Die Berge anschließend mit Ultramarinblau, Weiß, Ocker und etwas
Mittelgrün anlegen. Hier kann man ebenfalls einen Grundton
mischen, Akzente anderer Farbtöne können dann auch problemlos auf
dem Bild in die nasse Farbschicht gesetzt werden. Wichtig ist, den
Farbton der Berge nicht bis an den Fuß des mittleren Berges zu
setzen, lieber etwas Weiß in die Restfarbe des Pinsels geben, um
dann den aufsteigenden Nebel anzulegen. Ähnliches gilt auch für
die in der Ferne liegenden Berge in der rechten Bildhälfte.
Der Mittelgrund wird entsprechend der atmosphärisch-optischen
Wahrnehmung etwas kontrastreicher und enthält weniger Blauanteil.
Der warme Grünton wird mit etwas Ultramarinblau, vor allem aber
mit Ocker und Mittelgrün angelegt, dazu etwas Schwarz für die
dunkelgrünen Wiesenflächen, partiell aufgehellt mit etwas Weiß.
Die Wegränder im Vordergrund zeigen neben dem Grünton eine
Mischung aus Schwarz und Hellbraun, hier kann der breite Pinsel
wie bei einer Kalligrafie eingesetzt werden. Wer sich nicht sicher
fühlt, kann vorher kurz auf einem Blatt Papier die richtige
Haltung und passende Winkel des Pinsels üben. Der Weg selbst ist
mit einem gebrochenen Weiß lasiert, man kann die im Pinsel
befindlichen Reste des Farbtons nach der Fertigstellung des
Wegesrandes einfach auf der Palette mit genügend Weiß mischen und
auftragen.
Dritter Arbeitsgang / 3 Unterrichtseinheiten
Ölfarbschicht
Für die Ölfarbschicht werden folgende Farbtöne aus dem Lukas-Set
benötigt: Kremserweißton, Kadmiumgelb hell (imit.), Lichter Ocker,
Kadmiumrot dunkel (imit.), Terra di Siena gebrannt,
Ultramarinblau, Elfenbeinschwarz
Gearbeitet wird mit dem da Vinci Nova Katzenzungenpinsel, dazu
Malmittel.
Auch in der Ölfarbschicht ist es sinnvoll, die Farbtöne zunächst
auf der Palette zu mischen, da nur halbdeckend gearbeitet werden
soll. Die bereits in der Untermalung angelegten Lokaltöne sollen
nun mit der Ölfarbe farblich korrekt nuanciert und in sanften
Übergängen in dünnen Schichten verarbeitet werden. Der
Katzenzungenpinsel ist klein genug, um diese Übergänge und auch
die meisten Details sorgfältig auszuführen.
Sorgfalt ist bei diesem Motiv das Stichwort: im Idealfall soll
man im fertigen Bild kaum einen Pinselstrich erkennen. Es geht
hier eher um eine Feinmalerei, weshalb auch drei
Unterrichtseinheiten für die Farbschicht realistisch sind.
Neben dem ständigen Abgleich mit der Vorlage ist hier auch
wichtig, immer wieder innezuhalten und das eigene Ergebnis auf
etwaige Störungen einer harmonischen, ja im Vergleich zu anderen
Übungen fast beruhigenden Atmosphäre zu kontrollieren. Ich selbst habe diese Farbschicht in einem
Arbeitsgang ausgeführt und erst am folgenden Tag den zu hellen
Nebelstreifen am Fuße der Berge rechts bemerkt. Dennoch
gilt es, auf die Tonwerte zu achten und diese nicht zu stark zu
vereinfachen. Die
Aufteilung in drei Unterrichtseinheiten ist wie jede längere
Unterbrechung also nicht nur für Schüler:innen eine wichtige
Hilfe.
Der ständig sich wiederholende Abstand von Künstler:innen zu
ihrem eigenen Werk war bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
eine technisch bedingte Selbstverständlichkeit, weil Ölfarben in
der Regel mehrere Wochen der Trocknung benötigen, bevor eine
weitere Malschicht aufgetragen werden kann. Auch wenn viele
Gemälde vom 15. bis zum 19. Jahrhundert sorgfältig im Vorfeld
geplant und detaillierte Entwürfe direkt auf die Leinwände
übertragen wurden, zeigen Bilder Veränderungen in der Komposition
oder bei Details, sogenannte Pentimenti (ital. für Reue). Oft
können diese Veränderungen nur durch moderne Untersuchungsmethoden
sichtbar gemacht werden, da das fertige Bild nur den veränderten
Zustand zeigt.
Der Grund für längere Pausen innerhalb eines Werkprozesses ist
nicht allein die unweigerliche und eher unbewusste
Selbstverliebtheit in das eben geschaffene Werk oder den
vermeintlich begnadeten Pinselstrich, den man da gerade auf die
Leinwand setzte. Es ist fast unmöglich, neben einem neuen Eindruck
auch noch die Qualität dieses Eindrucks zu
beurteilen. In der Regel beendet man die Arbeit an einem
Bildbereich oder einem Detail, wenn das Ergebnis den eigenen
Vorstellungen entspricht. Wenn es passt, bleibt es stehen und man
arbeitet an anderen Bereichen weiter. Ob das passende aber auch
gut ist oder ob es nicht noch viel besser ginge, diese Frage kann
man oft erst mit einem zeitlichen, räumlichen und persönlichen
Abstand beantworten.
Vierter Arbeitsgang / 1 Unterrichtseinheit
Letzte Details
Als reine Übung könnte das Bild mit der Ölfarbschicht enden, viel
mehr gibt auch die Vorlage nicht her. Dem vermeintlich fertigen
Bild fehlen aber doch einige Akzentuierungen, Details und
Heraushebungen der atmosphärischen Situation nach einem
Sonnenuntergang.
In einem letzten Arbeitsgang habe ich noch das Licht über den Bergen
verstärkt, dem hohen Berg selbst eine formale Struktur gegeben,
die Wolken am oberen Bildrand etwas hervorgehoben, vor allem die
aufsteigenden Nebel über den Tälern akzentuiert und zuletzt im
Vordergrund Lasuren aus bräunlichen Erdtönen ergänzt, die dann mit
dem Finger und einem weichen Tuch vertrieben wurden.
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