K+U 493/494

Nils Pooker

Materialien: Kunst + Unterricht Nr. 493/494

Hier finden Schüler:innen und Lehrkräfte ergänzende Materialien zum Praxisteil "Techniken der Ölmalerei" als Einleger der Zeitschrift Kunst + Unterricht des Friedrich-Verlags in der Ausgabe 493/494.

Ups, Fehlerteufel

Auf Seite 11 des Einlegers ist bei der Bearbeitung für die Satzfahne ein Fehler passiert, den auch ich nicht bemerkt habe. Für die Mischung des Farbtons von "Kobaltblau hell" fehlt die Angabe von Ultramarinblau. Korrekt ist das Mischverhältnis:
2 x Ultramarinblau
1 x Cyan (Primärblau)
0,5 x Kremserweißton

Farbprobe und falsches Mischverhältnis im Heft
Inhalte

Download Bildmaterial

Alle KI-Bilder der Übungs- und Vorlagenseiten und alle meine Fotos der Zwischenzustände stelle ich unter CC0-Lizenz (gemeinfrei, Public Domain) als Downloads für die freie Weiternutzung zur Verfügung.

CC0

Download: das gesamte Bildmaterial der Website, komplett als ZIP-Datei (ca. 64 MB)


Wichtige Links der Fußnoten im Heft

Unter dieser Domain pookerart.de liegt zwar meine frühere, weitgehend handcodierte Website von 2013 aus der Zeit meiner langjährigen Tätigkeit als Webdesigner und Web-Konzepter, aber sie bietet im Gegensatz zu meiner eigentlichen Künstler-Website (www.nils-pooker.de) ein unbegrenztes Volumen für den Datentransfer, was angesichts der vielen Bilder sinnvoll ist.

Mein eigener Weg zur Ölmalerei…

…war purer Zufall. In meinem Elternhaus kam ich so gut wie nie mit Kunst in Berührung. Ich freute mich jede Woche auf das Bildfehlersuchspiel "Original und Fälschung" hinten in einer Fernsehzeitschrift, ansonsten war meine Kindheit und Jugend komplett kunstbefreit. Im Unterricht war ich gut, oft sogar sehr gut, doch als wir das Fach Kunst mit Beginn der 8. Klasse abwählen konnten, wählte ich es sofort ab. Kurioserweise begann ich wenige Monate später in meiner Freizeit mit dem Zeichnen von Landschaften aus einem Kalender mit historischen Fotos.

Im Spätherbst 1980 wollten mir meine Eltern mit der Anmeldung zu einem Zeichenkurs eine Freude machen. Mit Bleistiften in der Tasche und Zeichenblock unter dem Arm öffnete ich leicht verspätet die Tür der Volkshochschule in meinem Heimatort. Überall saßen ältere Damen und Herren, die Tischstaffeleien aufbauten. Der Kursleiter war auch ein älteres Semester. Offensichtlich ein Kriegsversehrter, sein linker Arm fehlte und der Ärmel hing schlaff in der Jackentasche. Ich war mit meinen 15 Jahren definitiv die jüngste Person im Raum. Als Nächstjüngeren erkannte ich einen Malermeister aus dem Ort und der war gerade in Rente gegangen. Als eine Teilnehmerin einen Holzkasten mit merkwürdigen Zinktuben auf den Tisch legte, umklammerte ich meinen Zeichenblock und wandte mich an den Dozenten.

"Das ist doch hier die Zeichenklasse?"
"Nein, Zeichnen war gestern. Heute beginnt wieder der Ölmalkurs, setz’ dich einfach da an einen Tisch."

Ein Zahlendreher in der Kursanmeldung war die Ursache. Ein Glücksfall. Nur selten erlebt man so etwas wie Momente der Offenbarung, aber als ich sah, was diese älteren Menschen da mit Ölfarben auf ihren Malblöcken und Leinwänden schufen, wusste ich sofort, dass ich genau das auch lernen wollte. Der Dozent hatte für Neuzugänge Ölfarben-Sets, Malblöcke, Pinsel und Terpentinöl dabei. Als Malvorlage erhielt ich ein Fotokalenderblatt mit einer Ansicht von Hallig Hooge. So entstand im Verlauf des Kurses bis Frühjahr 1981 mein erstes Ölbild.

Nils Pooker, Hallig Hooge, 1981, 30 x 40 cm

Im Gegensatz zu bereits ausgereiften Frühwerken sieht man die bemühten Erstlingswerke von Künstler:innen fast nie. Heute, rund 45 Jahre später, zeige ich das Bild ganz bewusst. Damals war ich mächtig stolz und hochmotiviert. Ich hatte die Ölmalerei für mich entdeckt, das wollte ich niemals aufgeben und vergaß all meine Schwierigkeiten im Umgang mit dem neuen Malmaterial. Dennoch, an den Uferkanten, den bewachsenen Flächen im Vordergrund, dem Weg mit Steg und den Details der Gebäude erkennt man die Probleme und Herausforderungen, die mir das schlichte Motiv in der Umsetzung bereiteten. Das Bild ist zu bunt, zu undifferenziert, an einigen Stelle zu gequält und in der Gesamtwirkung nicht einheitlich genug – typische Anfängerfehler im Bestreben, ein Bild partiell in Primamalerei umzusetzen. Der Dozent war zwar ein überregional tätiger Künstler und Jahrgang 1922, Alternativen zu dieser Technik hatte aber auch er nicht mehr gelernt und konnte deshalb auch nur das lehren.

Für das zweite Ölbild benötigte ich über ein halbes Jahr, es entstand ebenfalls nach einem Kalenderblatt, eine Ansicht des Doms zu Limburg an der Lahn. Flächen und Strukturen waren im Motiv relativ klar abgegrenzt, dass die Tonwert- und Farbfehler nicht übermäßig auffallen.

Nils Pooker, Limburg an der Lahn, 1981-82, 30 x 40 cm

1983 wählte ich nach zwei weiteren kleinen Landschaften als Motiv ein Frühwerk von Rembrandt, "Der alte Tobias und seine Frau Hanna". Vorlage war ein Blatt aus einer günstigen Taschenbuchreihe von Künstlerbiografien. Rembrandt war – wie ich damals – 18 Jahre alt, als er sein Bild malte, und ich dachte, das müsste ich auch schaffen. Diese erste und ziemlich frustrierende Kopie zeigte mir nach monatelanger Arbeit nur, dass es als Fleißarbeit interessant, qualitativ aber nicht gut war. Außer dem Hintergrund und einigen Details gelang hier wenig und das lag nicht am schlechten Druck im Taschenbuch. Die Gründe, warum die Primatechnik völlig ungeeignet war, ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert zu kopieren, kannte und ahnte ich nicht. Das Original, wenn auch nur in einem schlechten Druck, erschien mir wie ein unerreichbares, geheimes Mysterium.

Nils Pooker, Kopie nach Rembrandt aus einem Taschenbuch, 1983, 30 x 40 cm (links die Vorlage, rechts die Kopie)

1984, ein weiteres Jahr und viele Bilder später, malte ich erneut das Limburg-Motiv in einem etwas größeren Format. Dieses Mal setzte ich das Bild nicht in monatelanger Arbeit um, sondern innerhalb von drei Stunden am Nachmittag nach der Schule. Diese zweite Fassung des Limburg-Motivs hatte ich bewusst in neoimpressionistischer Manier gemalt, diese Technik eignete sich für mich am besten für einen unmittelbaren Farbauftrag auf weißem Bildträger, unabhängig von Sujet oder Motiv. Das enge Spektrum der Primamalerei war schließlich die einzige Technik, die ich kannte.

Nils Pooker, Limburg an der Lahn, 1984, 36 x 48 cm