Erster Arbeitsgang / 1 Unterrichtseinheit
Unterzeichnung und erste Farbschicht
Bis auf die Erdfarben können die Farben des Malsets und zwei angemischte Farbtöne verwendet
werden: Titanweiß, Kadmiumgelb Zitron (Maimeri), Kadmiumgelb imit.,
Kadmiumrot dunkel, Krapplack, Ultramarinblau, Preußischblau, Chromoxidgrün feurig und Elfenbeinschwarz.
Malmittel wird nicht benötigt.
Wichtig ist auch bei dieser Vorlage, zunächst genau hinzusehen
und die Grundkomposition hinter den Farbmassen zu erkennen. Die
zahlreichen Strukturen in den pastosen Flächen und die kräftigen
Farben machen es nicht leicht, die Komposition so schnell zu
erfassen wie bei einem glatt gemalten Bild mit eindeutigen
Flächenabgrenzungen. Hier gibt es aber einen Trick, den fast alle
kreativ tätigen Menschen kennen: man schließt die Augen bis zu einem schmalen Spalt,
dann verschwinden die feinen Details der Vorlage, das Motiv lässt
dann vor allem die Tonwertverteilung mit leicht reduzierter
Farbkraft erkennen. Die Wimpern fungieren wie ein Graufilter vor
den Augen, der die Tonwerte der Hell-Dunkel-Verteilung auf Kosten
der Farben besser erkennen lässt. Der Grund dafür liegt in den
Rezeptoren des menschlichen Auges. Den 120 Millionen Stäbchen
für die reine Helligkeitswahrnehmung auch bei Dunkelheit und bei Nacht stehen nur etwa 6 Millionen Zapfen
für das Sehen von Farben gegenüber (das Sprichwort, nachts seien alle
Katzen grau, findet hier den wissenschaftlichen Beleg).
Mit diesem Trick lassen sich die wichtigen Fragen zur Unterzeichnung als Anlage der Komposition leichter beantworten: Wie
bestimmen die Farben und Hell-Dunkel-Kontraste die Linienführung und
in welche Richtungen streben die Farbflächen? Wo kann man auf dem
Bildträger die Linien der Unterzeichnung zur Bestimmung dieser
Komposition setzen?
Man erkennt so etwas wie einen Weg, der verjüngend von links unten in einem Bogen
nach rechts oben bis zum Horizont verläuft.
Dieser Horizont entspricht eher einer parabelförmigen Kurve
als einer geraden Linie. Rechts vom Weg beschreiben die
Farbflächen eine schräge 45°-Richtung.
Links vom Weg scheinen die Flächen einen Hang zu definieren.
Ein Raster kann man sich hier sparen, auch wenn man nicht geübt
ist im Zeichnen. Die Unterzeichnung soll keine genauen
Abgrenzungen der gespachtelten Flächen wiedergeben, es
genügt, ein paar grundsätzliche Richtungen des Spachtels als
Merkmale der Dynamik festzuhalten. Setzt man zunächst gedanklich
eine mittige, vertikale Linie, dann endet dort am unteren Bildrand auch die rechte Begrenzung des Weges. Die linke Begrenzung
des Weges endet in der linken unteren Ecke. Der Horizont
befindet sich etwa ein Drittel unterhalb des oberen Bildrands. Mit
diesen Angaben lassen sich Weg und Horizont als Zeichnung schnell
bestimmen. Anschließend kann man noch die gelbe Fläche rechts vom
Weg anlegen, anschließend noch ein paar Markierungen des Hangs
links vom Weg.
Nun sollte die Vorlage erneut betrachtet werden um
herauszufinden, welche Rolle die Farbtöne bei der Komposition
spielen und wie Dynamik erzeugt wird durch die Struktur der
Farbflächen. Anhand dieser Beobachtungen kann man gedanklich bereits überlegen, wie und
in welche Richtungen die Farbe mit dem Spachtel aufgetragen werden könnte.
Wer sich nicht ganz sicher ist oder zu Beginn etwas mehr
Kontrolle über die ersten Spachtelstriche bevorzugt, kann ein paar Flächen mit wenigen Grundfarben aus dem Deckfarbkasten oder dem Acrylfarben-Set
anlegen.
Spachteltechnik verursacht einen hohen Verbrauch an Ölfarbe. Hier
sind gleich haselnussgroße Mengen mit ausreichend Abstand auf der
Palette sinnvoll, Titanweiß das Dreifache. Der Abstand zwischen
den Farben auf der Palette sollte nicht zu knapp bemessen sein, da
ansonsten mit der Spachtelklinge eine andere Farbe mit aufgenommen
werden könnte, die an der zu bearbeitenden Stelle nicht gewünscht
ist.
In diesem ersten Schritt geht es um eine Grundlage der Verteilung
der Farben, die deckend, aber nicht zu dick auf der Bildfläche
verteilt werden. Die Farbverteilung kann
mosaikartig mit dazwischenliegenden Lücken erfolgen, um
ungewünschte Farbmischungen an den Rändern zu vermeiden. Schwarz sollte zuletzt und nur sparsam
zum Einsatz kommen.
Abweichungen in Helligkeitswerten und Farbtönen sind in diesem
ersten Auftrag übrigens nicht problematisch, der Farbauftrag
ermöglicht auch noch direkte Korrekturen.
Letzte Farbtöne können noch ergänzt und in die
vorhandenen Flächen gemischt werden, um das erste, grobe
Gesamtbild zu verfeinern. Wer es sich zutraut, mischt direkt
Nass-in-Nass auf dem Bildträger, ansonsten können die Töne auch auf der
Palette gemischt werden.
Zweiter Arbeitsgang / 1 Unterrichtseinheit
Finale Farbschicht
Im zweiten Arbeitsschritt werden alle Bereiche
weiterbearbeitet oder übermalt. Nun gilt es, die eher lokal angelegten
Bereiche weiter zu differenzieren, die Streichrichtung des
Farbmaterials durch den Spachtel sichtbar zu machen und ein
homogenes Gesamtbild herzustellen. Wie im ersten Schritt bieten
sich zuerst die reinen Farbflächen für die Weiterbearbeitung an,
dann die Bereiche der Sekundärtöne, schließlich die der unbunten
Farben. Auch hier sollten erst gegen Ende die Tiefen mit Schwarz
verstärkt werden. Zuletzt lassen sich noch letzte Details
hervorheben.
Bei diesem Motiv bietet sich auch eine zweite Version an, die
entsprechend der Vorlage pastos mit dem Borstenpinsel umgesetzt
werden kann.
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