Erster Arbeitsgang / 1 Unterrichtseinheit
Imprimitur und Unterzeichnung
Zunächst sollte eine Imprimitur in einem hellen Grau angelegt
werden, um eine einheitliche Grundlage für die
Hell-Dunkel-Verteilung zu schaffen. Dazu wird Molenaer Acrylfarbe
Weiß mit Daler Rowney Schwarz im Verhältnis von ca. 6:1 gemischt
und mit dem breiten Flachpinsel unverdünnt aufgetragen.
Die Vorzeichnung kann mit dem Aquarellstift oder einem Bleistift
aufgebracht werden. Ein Raster kann, muss aber nicht aufgezeichnet
werden, da außer dem Horizont nur wenige klare Anhaltspunkte für
die Vorzeichnungen vorhanden sind, man kann mit kurzen Strichen an
den Bildrändern jeweils die Mitte markieren und bei der
Unterzeichnung gedanklich die entsprechenden Linien ziehen.
Zweiter Arbeitsgang / 1 Unterrichtseinheit
Untermalung
In der Untermalung geht es lediglich um die monochrome
Verteilung von Lichtern und Schatten. Da im Anschluss noch eine
lasierende bis halbdeckende Ölfarbschicht folgt, sollten die
Tonwerte insgesamt etwas heller als in der Vorlage umgesetzt
werden. Eine flächige, skizzenhafte Anlage der
Hell-Dunkel-Verteilung genügt. Zur Orientierung für die Tonwerte der Grisaille-Untermalung hier die Vorlage als helle Schwarzweißumsetzung.
Hier kann ebenfalls mit der Molenaer Acrylfarbe Weiß und Daler
Rowney Acrylfarbe Schwarz gearbeitet werden. Es gäbe nun die
Möglichkeit, mit einem Grau für die Tiefen zu beginnen und dann
die Mischfarbe immer heller werden zu lassen. Da die Untermalung
aber grundsätzlich etwas heller als die Tonwerte der Vorlage
geraten sollen, ist es sicherer, mit den Höhen zu beginnen, also
den hellsten Bereichen. Da es keine Formdetails gibt, kann die
gesamte Untermalung weiterhin mit dem breiten Flachpinsel
umgesetzt werden. Das Weiß wird zunächst mit etwas Wasser verdünnt
auf die Bereiche der hellsten Stellen aufgetragen. Da die
Imprimitur den Tonwerten sozusagen einen sicheren Halt gibt, kann
man den Pinsel über die Übergangsbereiche der nächstdunkleren
Bereiche ziehen oder wischen. Die nicht sehr hohe Deckfähigkeit
der Acrylfarbe sorgt dabei für einen Lasureffekt. Nun gibt man
einer etwa weintraubengroßen Menge Weiß ein wenig Schwarz hinzu.
Die Daler Rowney-Farbe ist etwas höher pigmentiert, deshalb ist
Vorsicht geboten, dass der Ton nicht schon zu dunkel wird, er
sollte noch auffallend heller sein als der Ton der Imprimitur. Der
dritte Ton entspricht in etwa der Imprimitur und eignet sich gut,
um die Übergänge im Bereich des Himmels auszuarbeiten, hier kann
je nach Bildbereich auch etwas mehr Weiß oder ein wenig Schwarz
dazu gemischt werden. In einem vierten Schritt folgt die Anlage
der dunkleren Mitteltöne, die anschließend schrittweise mit etwas
mehr Schwarz bis in die dunkelsten Tiefen verstärkt werden.
Am Ende und nach einem angemessenen Auswaschen des Pinsels lohnt
es sich, die Höhen der hellsten Stellen noch einmal mit Weiß zu
verstärken und eventuell mit letzten Lasuren störende Bereiche im
Sinne der atmosphärischen Gesamtstimmung zu egalisieren und
undefinierte Bereiche stärker zu differenzieren.
Dritter Arbeitsgang / 3 Unterrichtseinheiten
Ölfarbschicht
Bildbestimmend für das Motiv sind die starken Tonwertkontraste.
Das Bild zeigt keine einheitliche farbliche Tonalität, passend für
ein Seestück gibt es einen leichten Überhang zu eher kalten Tönen.
Folgende Farben werden benötigt: Kremserweißton, eine kleine Menge Zitronengelb (Primär-Gelb),
Lichter Ocker, Terra di Siena gebrannt, Ultramarinblau, eine
kleine Menge Cyan (Primär-Blau), Vandyckbraun. Das sehr
farbkräftige Cyan (Primär-Blau) wird nur minimal an einzelnen
Stellen eingesetzt. Als Pinsel kommen zunächst der breite Flachpinsel und später der
daVinci-Katzenzungenpinsel zum Einsatz, dazu Malmittel und
Verdünnung zur gelegentlichen Pinselreinigung.
Da das Motiv bildübergreifend sowohl von kalten
Blautönen als auch von warmen Erdtönen bestimmt wird, ist es hier relativ egal, mit welchem Farbton man beginnt. Traditionell würde man die Untermalung mit einem warmen, bräunlichen Ton sehr dünn bedecken. Bei diesem Motiv lässt sich aber gut demonstrieren, dass man auch mit einem kalten Farbton beginnen und mit warmen Tönen weiterarbeiten kann. Zunächst wird Ultramarinblau mit etwas Weiß und
minimal Terra di Siena gebrannt gemischt, mit Malmittel
ausreichend verdünnt und lasierend auf den dunkleren Bereichen der
Grisaille-Untermalung aufgetragen, auch dort, wo das Motiv eher
schwarz erscheint. Mit einer stärkeren Zugabe von Weiß folgen dann
die nächsthelleren Bereiche, bis in der Bildmitte die Höhen mit
reichlich Zugabe von unverdünntem Kremserweißton angelegt wird.
In einem nächsten Schritt werden Terra di Siena gebrannt, Lichter
Ocker und ein wenig Zitronengelb mit etwas Weiß gemischt und die
dem Motiv entsprechenden, wärmeren Bildbereiche im Himmel ebenso
dünn angelegt. Anschließend wird dieser Farbton mit einer
minimalen Zugabe von Ocker und Zitronengelb auch für die Bereiche
im Meer aufgetragen. Dort vermischt sich nun der Braunton partiell
mit dem schon vorhandenen Blauton und ergibt ein dunkles,
gebrochenes Blaugrün.
Links über dem Horizont und rechts auf halber Bildhöhe sind
Bereiche mit einem leichten Grünton zu erkennen, sie spielen in
der Farbkomposition keine entscheidende, aber eine interessante
Funktion als differenzierter Farbakzent neben den bildbestimmenden
kalten Blau- und wärmeren Brauntönen, darum sollte man diese
Bereiche auch darstellen, zunächst mit etwas Ultramarinblau,
Zitronengelb und Weiß. Anschließend werden die Grenzen zwischen
den Farbbereichen mit dem senkrecht auf das Bild gehaltenen
Flachpinsel sanft vertrieben, gegebenenfalls mit Zugabe von
unverdünnter Farbe.
Bis auf die Höhen, die schon fast deckend aufgetragen werden
können, wird mit diesen ersten Ölfarbschichten die graue
Untermalung sozusagen zunächst nur lasierend bis maximal
halbdeckend eingefärbt. Die Flächen haben durch die notwendige
Verwendung von Weiß zwar eine etwas zu flache Erscheinung,
vergleichbar mit einer Gouache- oder Deckfarbkastenenmalerei,
dafür können diese ersten Arbeitsschritte durch die formale
Grundlage der Grisaille-Vorgabe sehr schnell ausgeführt werden und
den kontrollierten Aufbau der Farbkomposition gewährleisten. Ohne
den Weißanteil würden die dünnen Farbschichten zu transparent für
das Licht werden und dadurch zu dunkel wirken, das ist nur bei
einem Bildaufbau auf einer hellen Grundlage sinnvoll.
Nach der Anlage der Gesamtwirkung werden die Bereiche des Himmels
noch einmal mit den schon verwendeten Farben und ab jetzt mit dem
Katzenzungenpinsel halbdeckend bis deckend überarbeitet. Tiefen
lassen sich mit reinem Ultramarinblau, lichtem Ocker und Terra di
Siena gebrannt verstärken, Lichter werden mit deckendem, ja sogar
pastosem Farbauftrag von Weiß gehöht. Nun können auch die beiden
eher grünen Bereiche hervorgehoben werden durch ein wenig
gemischtes Cyanblau mit Zitronengelb. Im unteren Bilddrittel
sollte man die lichtbeschienen Wellen verstärken, ebenso die
Übergänge zwischen hellen und dunklen Bereichen.
Immer im Abgleich mit der Bildwirkung der Vorlage und dem eigenen
Werk werden nun im Bereich des Himmels letzte Korrekturen,
Verbesserungen oder feine Übermalungen vorgenommen. Dann folgen
die dunkelsten Bereiche des Meeres. Schwarz wäre zwar der
einfachste Weg und es entspräche auch der Vorlage des KI-Bildes,
darauf wurde hier aber bewusst verzichtet. Zum einen ist selbst in
der Vorlage eine etwas zu große Diskrepanz zu den subtilen,
interessanten und differenzierten Farbnuancen im Bereich des
Himmels erkennbar, außerdem ist Schwarz auch nicht notwendig und
lässt sich durch eine Mischung aus dem dunklen Ultramarinblau mit
Terra di Siena gebrannt und dem dunklen Vandyckbraun ersetzen. Der
Vorteil dieser Farbmischung besteht auch in der Möglichkeit
unterschiedlicher Gewichtungen je nach gewünschter Wirkung. Jeder
Pinselstrich kann - je nach Wunsch - mehr Richtung Blau, mehr
Richtung Siena gebrannt oder mehr Richtung Dunkelbraun gehen.
Zum Schluss können auch hier die Lichter noch pastos verstärkt
und die Gischt als Striche in reinem Weiß ergänzt werden.
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