Erster Arbeitsgang / 1 Unterrichtseinheit
Imprimitur, Raster und Unterzeichnung
Sowohl für die Imprimitur als auch für die Untermalung wird ein
Grundton gewählt, der in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen
mit Weiß verwendet wird. Dieser Grundton wird mit Daler-Rowney
Acrylfarben gemischt: Gelber Ocker, Hellbraun, Braun im Verhältnis
1:1:1.
Für die Imprimitur wird der Grundton 1:2 mit Molenaer Weiß gemischt (also 1 Teil
Mischung, 2 Teile Weiß). Die Farbe mit wenig Wasser und mit dem
breiten Flachpinsel auftragen.
Für die Unterzeichnung des etwas komplexeren Motivs empfiehlt
sich ein Raster als Orientierungshilfe für die Unterzeichnung. Das
mit Bleistift oder Aquarellstift dünn gezeichnete Raster muss nicht
unbedingt nach der Unterzeichnung entfernt werden, da das Bild mit
eher deckenden Farbschichten fertiggestellt wird.
Zweiter Arbeitsgang / 1 Unterrichtseinheit
Untermalung
Für die Untermalung wird erneut die Mischung aus den Daler-Rowney
Acrylfarben Gelber Ocker, Hellbraun, Braun im Verhältnis 1:1:1
benötigt, ungefähr in einer weintraubengroßen Menge. Fünf
Tonwertabstufungen ermöglichen eine ausreichende Differenzierung
und sind leicht nachzuvollziehen. Für den Auftrag empfiehlt sich
der da Vinci Nova Katzenzungenpinsel.
Man beginnt mit den dunkelsten Bereichen, hier wird die
Farbmischung ohne Weiß aufgetragen. Diese Bereiche umfassen den
Küstenvorsprung, der von rechts in den See ragt, einige
beschattete Bereiche am Ufer des Vordergrund und Teile der Bäume
am linken Bildrand.
Danach folgt die erste Ausmischung mit Weiß im Verhältnis 2:1,
also ein moderates Aufhellen des Grundtons. Damit werden dann die
Berge und der Rest der Bäume angelegt.
Mit der folgenden Ausmischung mit Weiß im 1:1-Verhältnis werden die nächst
helleren Partien definiert: dunkle Wolkenbereiche, der See und der
Mittelgrund am Uferrand.
Eine weitere Mischung im Verhältnis 1:2 ist nicht notwendig, hier
übernimmt die Imprimitur die Funktion als eigenständiger Tonwert
in der Untermalung.
Zuletzt folgen Höhen und Lichter, also die hellsten Bereiche vor
allem in den Wolken. Auf Grund der geringen Deckkraft kann
ungemischtes Acryl-Weiß eingesetzt werden.
Dritter Arbeitsgang / 3 Unterrichtseinheiten
Ölfarbschicht
Wenn ich selbst auch nur 2 Stunden an der Ölfarbschicht
gearbeitet habe, ist es in der Praxis des Kunstunterrichts
realistischer, von drei reinen Arbeitsstunden auszugehen.
Da der Kremserweißton nur eine reduzierte Deckkraft besitzt, ist
es sinnvoll, ihn für dieses Motiv 1:1 mit Titanweiß zu mischen.
Weitere Farbtöne: Lichter Ocker, Siena gebrannt, Ultramarinblau,
eine kleine Menge Preußischblau und Schwarz. Dazu etwas Malmittel.
Gearbeitet wird mit dem breiten und dem schmalen Borstenpinsel.
Wie bei den meisten Landschaftsmotiven empfiehlt sich ein
Arbeiten von hinten nach vorn, da neue Farbschichten die davor
gemalten überdecken können und so dem Wahrnehmungseindruck der
Realität entsprechen.
Ich habe zunächst mit dem breiten Borstenpinsel die dunklen
Bereiche des Himmels mit Ultramarinblau, Preußischblau, und Weiß
angelegt. Wichtig ist, den Hintergrund für die
optischen Farbmischungen etwas durchscheinen zu lassen und
mit Malmittel sparsam zu bleiben.
Durch den Gebrauch des
Borstenpinsels ist es möglich, mit zäher Farbe über die Oberfläche
der Untermalung zu wischen, wenn man etwas Druck ausübt. Das Motiv
lebt von der Sichtbarkeit der Pinselstriche. Die entstehen,
wenn die Borsten ihre Spuren bis auf den Untergrund hinterlassen.
In einer extremen Vergrößerung sähe das aus, als ob mit einem
groben Kamm gearbeitet wurde. Die Farbe, die stehenbleibt, stammt
aus den Zwischenräumen der Borsten. Hauchdünne Lasuren würde
dagegen wie ein Farbfilter auf der Untermalung liegen und zu einer
flachen, unerwünschten Farbwirkung führen. Selbst mit einem
Borstenpinsel wäre der Pinselstricheffekt dabei kaum möglich, weil
sich die verdünnte Farbe sofort verbinden würde.
In einem weiteren Schritt wird der Himmel zunächst
vervollständigt. Ich habe mit Weiß und dem grob ausgewischten
Pinsel die hellsten Stellen der Wolkenformation deckend
überarbeitet, die Zwischenbereiche mit etwas zusätzlichem
Ultramarin- und Preußischblau ausgeführt und die Übergangsbereiche
etwas egalisiert.
Im Anschluss folgt die Bearbeitung der Berge im Hintergrund,
ebenfalls mit Ultramarin- und Preußischblau, man kann den Farbton
auch mit etwas lichtem Ocker oder Siena gebrannt brechen. Auch
dort kann die Untermalung durchscheinen oder stellenweise frei
sichtbar bleiben. In diesem Abgleich zwischen Himmel und Bergen
wurden noch einmal im Himmel helle Bereiche deckend verstärkt und
allzu störende Übergänge mit dem Pinsel vertrieben.
Im nächsten Schritt wird mit dem schmalen Borstenpinsel der
beschattete Küstenvorsprung in der Bildmitte angelegt, in erster
Linie mit Preußischblau und Siena gebrannt, beide Farben ergeben
nebeneinandergesetzt einen interessanten dunklen, harmonischen Ton,
ohne die flache Wirkung von Schwarz. Der untere Teil bleibt
zunächst frei und zeigt die Untermalung. Mit etwas lichtem Ocker
und Weiß wird nun von oben aus den Bergen in den Küstenbereich nass
in nass gearbeitet, um Vegetation anzudeuten, die in der Mischung
entstehende Farbe ergibt einen passenden, matten Grünton. Damit
kann nun auch die Vegetation am linken Bildrand angelegt werden.
Mit weiterer Farbaufnahme der beiden hellen Töne werden
Pinselstriche auf den Küstenstreifen gesetzt.
Der übrige Vordergrund besteht vorwiegend aus Mischungen von
Weiß, Ocker, Siena gebrannt und etwas Schwarz.
Vor dem letzten Arbeitsschritt ist es wieder wichtig, einen
aufmerksam-kritischen Abgleich zwischen Vorlage und Umsetzung vorzunehmen, um dann das Gesamtbild der eigenen Arbeit zu bewerten.
Dabei sollte man sich fragen, an welchen Stellen die
Gesamtharmonie des Bildes gestört ist, wo Bereiche vielleicht stärker
akzentuiert und zu dominante Stellen zurückgenommen werden müssen.
Anschließend kann der Vordergrund zunächst fertiggestellt werden,
um dann in anderen Bereichen die letzten Korrekturen vorzunehmen.
Download Bildmaterial (CC0-Lizenz)
Download: Bildmaterial zur Übung als ZIP-Datei herunterladen (ca. 6.5 MB)