Erster Arbeitsgang / 1 (halbe) Unterrichtseinheit
Imprimitur
Da die Imprimitur nur die Hälfte einer Doppelstunde in Anspruch
nimmt, aber einen Tag trocknen sollte, könnte die verbleibende
Zeit auch für die Imprimitur oder Unterzeichnung einer weiteren
Übung genutzt werden.
Die Imprimitur wird mit Molenaer Acrylfarbe Braun und Ocker
gemischt, dazu aus dem Daler-Rowney-Set etwa 1/5 Brilliant Rot und
ca. 1/10 Schwarz. Der Farbton sollte einer dunklen Holzart
entsprechen. Die Imprimitur wird ohne Wasser mit dem breiten
Synthetik-Haarpinsel auf den Bildgrund auftragen, um eine
weitgehend deckende Farbschicht zu erzielen.
Eine Untermalung ist bei diesem Motiv nicht notwendig, die Acrylfarbe wäre auch zu wenig deckend.
Zweiter Arbeitsgang, ein bis zwei Unterrichtseinheiten
Ölfarbschicht
Die Umsetzung gleicht eigentlich einer Primamalweise. Der
Unterschied zur üblichen alla-prima-Praxis ist jedoch, dass das
Motiv hier nicht in vollständig deckender Malweise auf einem
weißen Untergrund fertiggestellt wird, sondern auf einem dunklen
Untergrund, der im Tonwert bereits großen Teilen des Bildes
entspricht. Es geht also eher darum, diese dunklen Bereiche
farblich zu differenzieren, der Tonwertkontrast ist außerhalb des
hellen Bereiches oberhalb des Horizonts nur gering.
Sechs Farben genügen, um das Bild weitgehend in einem Zuge
fertigzustellen: Kremserweißton, Bleizinngelb, Lichter Ocker,
Siena gebrannt, Elfenbeinschwarz, etwas Azurit. Malmittel wird
nicht benötigt. Als Pinsel kommen der breite und dann der schmale
Borstenpinsel zum Einsatz.
Da die Mindestmenge von gemischtem Azurit den Bedarf für das
Motiv übersteigt, reicht die Menge mindestens für zwei
Schüler:innen. Es wäre auch möglich, einen bläulichen Farbton
rechts am Horizont mit Schwarz und Weiß zu erzielen, würde man die
Farbe nur verdünnt auftragen. Der Grund ist die „optische
Mischung“ von Farben beim Durchdringen von Licht auf den
Untergrund. Ist eine Lasur heller als der Untergrund, wird diese
dünne Schicht immer als kalter, ins Blau reichender Ton
wahrgenommen. Das würde hier auch für einen Grauton gelten, der
auf die dunkelbraune Imprimitur gemalt wird. Anschließend könnte
man darüber dann auch noch eine dünne Lasur Ocker auftragen und
würde so ebenfalls die leichten Grüntöne erzielen. Da das Bild
aber zügig und ohne Lasuren gemalt wird, ist die Verwendung von
Azurit als Blaufarbton zielführender.
Eine Vorzeichnung oder gar ein Raster ist für dieses Motiv nicht
nötig. Der Horizont beginnt am linken Bildrand ungefähr auf der
Höhe des sogenannten Goldenen Schnitts, eines Prinzips der
Proportionierung von Flächen, die als besonders harmonisch
empfunden wird. Im Vergleich zur bekannten Drittelregel beträgt
das Verhältnis beim Goldenen Schnitt nicht 33,3 % zu 66,6 %,
sondern 38,2 % zu 61,8 %. Um sich in der Malpraxis eine
übertriebene Dreisatzrechnung zu sparen, kann man einfach grob von
etwas mehr als einem Drittel ausgehen. Im rechten Bildbereich
beschreibt die schwarze Fläche eine leichte Biegung nach unten,
auf die Höhe von etwa einem Drittel der Bildhöhe. Mit dem breiten
Borstenpinsel und Elfenbeinschwarz kann nun diese Linie gezogen
und der untere Bildbereich ausgemalt werden. Hier sollte zügig und
in wechselnder Deckkraft gearbeitet werden, von halbdeckend bis
deckend. Es schadet auch nicht, wenn einige Stellen der dunklen
Imprimutur unbedeckt bleiben, um der Fläche sozusagen „Spuren des
Ungefähren“ zu geben, als seien dort zwar nicht klar erkennbare,
aber doch vorhandene Strukturen.
Danach wird der etwas hellere Streifen des Horizonts gemalt,
bevor mit diesem Farbton die dunkelsten Bereiche im Himmel
angelegt werden. Der Pinsel muss dafür nicht mit Verdünner separat
gereinigt werden, da in nahezu allen Bereichen des Himmels auch
Schwarzanteile vorhanden sind.
Anschließend kann man damit beginnen, die etwas helleren Mitteltöne zu
mischen und partiell aufzutragen, um der Farbe dann schrittweise
Ocker, Bleizinngelb oder Kremserweiß zuzusetzen. Wichtig ist, sich
der Gesamtwirkung im Malprozess zu nähern und in diesem Stadium
allzu pastose Farbe zu vermeiden. Grundsätzlich wird dieses Motiv
von dunkel nach hell umgesetzt, aber die entscheidenden Höhen und
Lichter als Kontrast zum Schwarz des Vordergrunds sollten zuletzt
aufgetragen werden.
Im letzten Schritt des Malprozesses folgt nun die Verstärkung
sowohl der Kontraste als auch der Farben mittels der
Impasto-Technik. Dafür eignet sich der schmale Borstenpinsel. Nun
werden die Flächen heller gesetzt, bzw. die Details im Himmel
durch pastos aufgenommene Farbe hervorgehoben. Das Mischen kann
dabei sozusagen beim Farbauftrag erfolgen, indem man eine
ausreichende Menge von zwei oder drei Farben mit dem Pinsel
aufnimmt und so mehrfarbige Pinselstriche ermöglicht, die mit
zunehmendem Betrachtungsabstand wie ein Farbton erscheinen. Diese
Technik verwendeten 200 Jahre später übrigens auch die
Impressionisten, nur mit leuchtenden, hellen Farben.
Entscheidend ist die Pinselhaltung: je flacher der Pinsel zur
Bildfläche gehalten und die Farbe ohne Druck gezogen wird, umso
pastoser bleibt die Farbe stehen. Beim pastosen Lichtstreifen über
dem Horizont mit Kremserweiß und Bleizinngelb kann der Pinsel also
fast parallel zur Bildfläche gehalten und nur durch leichtes
Aufsetzen nach hinten gezogen werden.
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