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Nils Pooker

Spätimpressionismus im Stil von Winslow Homer: 4 Unterrichtseinheiten

Vorlage

Das KI-Bild zeigt eine Landschaft im Stil von Winslow Homer. Ähnlich wie der Prompt "Gemälde von John Singer Sargent" wird der lockere Stil und die typische Bilddramatik des US-amerikanischen Malers von Midjourney meistens recht gut interpretiert und imitiert, auch wenn das hier vorgestellte KI-Ergebnis eigentlich zu farbkräftig für Homer ist.

Dieses Motiv habe ich gewählt, weil es als Imprimitur einen farbkräftigen Grund simuliert, auf dem eine Abendlandschaft nach Sonnenuntergang dargestellt ist. Diese Übung bietet sich zudem gut für eine flotte Umsetzung in kräftigen Farbtönen und starken Kontrasten an, die für den Übergang vom Spätimpressionismus zum Expressionismus typisch war und bei der in der Übungspraxis die genaue Wiedergabe des Motivs zugunsten von Farbigkeit und Pinselduktus auch etwas zurücktreten kann.

Erster Arbeitsgang / 1 Unterrichtseinheit

Imprimitur, Raster und Unterzeichnung

Der Grundton wird mit Daler-Rowney Acrylfarben gemischt. Zunächst Ocker, Hellbraun und Gelb im Verhältnis 1:2:4. Diese Mischung dann 1:1 mit Molenaer Acrylfarbe mischen und ohne Wasser mit dem breiten Flachpinsel homogen und gleichmäßig auftragen.

Der gelb-orange Grundton erscheint auf den ersten Blick viel zu kräftig für das Motiv zu sein. Obwohl er im fertigen Bild an vielen Stellen erkennbar bleibt, sorgt er aber für eine Form der Einheitlichkeit. Da die Ölfarbschicht ebenfalls farbkräftig ausgeführt wird, relativiert sich zudem die farbige Dominanz des Grundtons im Verlauf des Malprozesses.

Der Bildaufbau in mehreren Schichten verhindert zwar ungewollte Ergebnisse oder eine misslungene Umsetzung, es ist trotzdem wichtig darauf hinzuweisen, dass mit einer derart starkfarbigen Imprimitur ein finales Bildergebnis nicht so vorausschauend umsetzbar ist wie mit traditionellen Imprimituren in gedeckteren Farbtönen.

Das Raster für die Vorzeichnung wird idealerweise mit dem Aquarellgraphitstift oder einem ähnlich, leicht zu entfernenden Stift aufgebracht. Weil die farbige Imprimitur an vielen Stellen sichtbar bleibt, sollte nach der Unterzeichnung das Raster wieder entfernt werden.

Zweiter Arbeitsgang / 1 Unterrichtseinheit

Untermalung

Für die Untermalung habe ich die Daler-Rowney Acrylfarbe Dunkelbraun gewählt, der in zwei weiteren Arbeitsgängen Weiß zugemischt wird. Da das Motiv nicht nur von kräftigen Farbkontrasten lebt, sondern auch von einem starken Hell-Dunkel-Kontrast, reichen drei Tonwertstufen für die dunklen Bereiche und zwei für die hellen, wobei die Imprimtur bereits eine helle Tonwertstufe definiert. Für die hellsten Bildbereiche ist lediglich eine Weißhöhung mit unvermischter, weißer Farbe notwendig.

Für die Untermalung eignet sich am besten der da Vinci Nova Katzenzungenpinsel.

Im ersten Schritt werden mit dem Dunkelbraun und wenig Wasser zunächst die Bereiche bearbeitet, die später mit Schwarz übermalt werden. Mit etwas Weiß vermischt folgen dann die nächsthelleren Bereiche und mit noch etwas mehr Weiß die Mitteltöne.

Die Weißhöhung sollte sich nur an den hellsten Bereichen orientieren. Dabei habe ich selbst anfangs unnötigerweise Bereiche neben dem Baum gehöht. Entfernen lässt sich einmal aufgebrachte Acrylfarbe nicht mehr, in diesem Stadium sind Fehler aber völlig unproblematisch.

Dritter Arbeitsgang / 2 Unterrichtseinheiten

Ölfarbschicht

In der eigentlichen Ölmalschicht wird mit allen Farben des Lukas-Sets gearbeitet, nur das Titanweiß wird durch den Kremserweißton ersetzt. Zum Einsatz kommen der breite und der schmale Borstenpinsel.

Das Vorgehen in der Ölmalschicht beginnt bezüglich der Tonwerte nicht mit dem Setzen von Schwarz, aus gutem Grund: Die ausreichend kontrastierte Untermalung soll als Anker und Anhaltspunkt für die Helligkeitswerte der Farben dienen.

Beginnt man nun mit dem Himmel und dessen Spiegelung im See am unteren Bildrand, startet man auf der Helligkeitsbasis der Imprimitur. Im Abgleich mit der Vorlage behält man eine gute Orientierung anhand der schon vorhandenen dunklen Bereiche des unvermischten Dunkelbrauns und den hellsten Bereichen der Weißhöhung.

Das Himmelblau kann zunächst grob auf der Palette angemischt werden, man sieht jedoch an der Vorlage, dass es dort keinen homogenen Farbton gibt. Es darf also auch ruhig auf dem Bild selbst gemischt, bzw. weitergemischt werden. Wichtig ist nur, dass nicht die gesamte Fläche der Imprimitur mit Farbe geschlossen wird, der Untergrund soll ruhig dünn hervorscheinen.

Die Farbe sollte auch nicht bis an die angrenzenden Bereiche der Untermalung oder den Linien der Unterzeichnung herangeführt werden. Die Imprimitur soll schließlich wie eine Kontur nahezu überall zwischen den Farbflächen sichtbar bleiben. Dieses Vorgehen gilt auch für alle folgenden Schritte.

Da der Pinsel ohnehin blaue Farbe enthält, können die dunklen Wolken mit Primärblau, Ultramarinblau und etwas Schwarz gemalt werden. Auch hier dürfen innerhalb der Flächen unterschiedliche Farbnuancen entstehen.

Nun kann man zum sauberen, schmalen Borstenpinsel wechseln und rötliche und gelbe Bereiche ergänzen, die den Eindruck einer soeben untergegangenen Sonne verstärken.

Im nächsten Schritt folgt die grüne Vegetation am linken Ufer mit Chromoxidgrün, lichtem Ocker und Ultramarinblau, ergänzt mit etwas Weiß.

Erst danach werden nach kurzer Reinigung des Pinsels die dunkelsten Bereiche mit Schwarz überarbeitet.

Nach einem Abgleich mit der Vorlage und der ausschließlichen Betrachtung des Bildes bezüglich etwaiger störender Bereiche besteht der letzte Arbeitsschritt in der Ergänzung oder Ausarbeitung der Details und der Nachbesserung einzelner Bildbereiche.


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CC0

Winslow Homer

In der Vereinigten Staaten zählt Winslow Homer (1836-1910) zu einem der wichtigsten US-amerikanischen Künstler. Homer war nahezu im gleichen Alter wie seine französischen Zeitgenossen Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir oder Alfred Sisley. Er begann früh zu zeichnen und war anfangs als Illustrator für Zeitungen tätig, wurde aber als freier Künstler schnell erfolgreich. In New York arbeitete und lebte er in einem Atelierkomplex zusammen mit vielen Malern der Hudson River School, deren romantische Ideale einer erhabenen Landschaft er nicht übernahm, wohl aber deren Mittel, um Dramatik in Bildern zu erzeugen. 1867 reiste er nach Paris und eignete sich wie die Impressionisten zuvor die lockere Malweise mit sichtbaren Pinselstrichen von den Freiluftmalern der Barbizon-Künstler:innen an. In den USA erntete er damit viel Kritik, bis sich auch dort der Impressionismus durchzusetzen begann.

Auch wenn die Landschaftsmalerei in seinem Gesamtwerk eine große Rolle spielt, stehen im Zentrum vieler seiner Motive meistens Personen und ihre Schicksale. Durch seine Tätigkeit als Kriegsberichterstatter und Zeichner auf Seiten der Nordstaaten während des amerikanischen Bürgerkriegs und seinen Reisen auf die Bahamas erlebte Winslow Homer auch bewusst die dunklen Seiten der menschlichen Existenz wie Verelendung, Verrohung und Rassismus.

Auch wenn Homer viele Gemälde in Öl schuf, so ist er zumindest in Europa vor allem für seine meisterhaften Aquarelle bekannt.

Winslow Homer, "Der Golfstrom", 1906, Öl
Winslow Homer, "Fischerboote, Key West", 1903, Aquarell