K+U 493/494

Nils Pooker

Material "Hell-Dunkel- und Impastomalerei"

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Rembrandt und Hell-Dunkel-Malerei mit Impasto-Effekt

Bereits Leonardo da Vinci nutzte den Effekt von stärkeren Lichtern und tiefen Schattenpartien in einigen Gemälden. Als stilbildendes Gestaltungsmittel wurde der Effekt vor allem von Caravaggio (eigentlich Michelangelo Merisi da Caravaggio, 1571-1610) eingesetzt. Caravaggio und auch Rembrandts Zeitgenosse Georges de la Tour (1593-1652) blieben jedoch bei einer relativ glatten Malweise.

Michelangelo Merisi da Caravaggio, Der ungläubige Thomas, um 1601 Georges de la Tour, Büßende Maria Magdalena, 1635-1640 (Ausschnitt)

Rembrandt

Rembrandt van Rijn (1606-1669) kombinierte die Hell-Dunkel-Malerei dann mit einem pastosen Farbauftrag, der schon von Malern wie Tizian oder El Greco in der Spätrenaissance genutzt wurde, um vor allem hellen Bildbereichen eine unebene, plastische Form zu geben, an der sich das Licht mehrfach brechen konnte und sich gleichzeitig feine Schatten bildeten.

Rembrandt überhöhte noch die plastische Wirkung der pastosen Farbe, indem er eingekochtes und damit dickflüssiges Leinöl als Malmittel verwendete und die Farbe millimeterdick auf die Leinwand aufbrachte, teilweise auch in mehreren Schichten. Oft legte er darüber noch dünne Lasuren, die er mit einem Lappen wieder vertrieb, so dass in den Tiefen der Farbtexturen dünne Farbreste stehenblieben und zusätzliche, künstliche Schatten bildeten. Aus unmittelbarer Nähe betrachtet, erscheinen die Farben wie Reliefschichten ohne klare Formgebung, erst aus der Distanz ergeben sich fast hyperrealistische Effekte.

Schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert waren das Leben, die außergewöhnlichen Bilder und die Maltechnik von Rembrandt ein idealer Nährboden für zahllose Mythen, Legenden und falschen Behauptungen. Er galt als frühes Paradebeispiel für den gefallenen Malerfürsten, der am Ende verkannt und verarmt sterben musste.

Lange hielt sich der Mythos, Rembrandts finanzieller Untergang und sein Ende in Armut sei auf die Ablehnung des Bildes "Die Nachtwache" zurückzuführen, bis heute sein bekanntestes Werk. Das Gemälde sei den Auftraggebern, einer Amsterdamer Schützengilde, zu düster und die Personen seien zu ungenau dargestellt. Fast nichts davon entspricht den Tatsachen. Rembrandt beschäftigte viele Schüler in seinem Atelier, die seinen Stil teilweise perfekt kopierten, weshalb es bis heute Diskussionen über Zu- und Abschreibungen seiner Werke gibt. Er lebte verschwenderisch und weit über seine Verhältnisse, obwohl er ein sehr erfolgreicher Künstler war. Der Konkurs zum Ende seines Lebens beruhte vor allem auf seiner Sammelleidenschaft und auf fehlgeschlagene Spekulationen mit riskanten Schiffsbeteiligungen, weniger auf berufliche Rückschläge.

Die ungewöhnliche Lichtführung der Nachtwache fiel den Zeitgenossen auf, aber die 16 Auftraggeber zahlten anstandslos die vereinbarten 1600 Gulden, eine stattliche Summe. Die insgesamt düstere Stimmung der Nachtwache verstärkte sich jedoch im Verlauf der folgenden 150 Jahre durch Firnisschichten, die stark zur Vergilbung neigen. Den Titel "Die Nachtwache" erhielt das Bild 1781 durch den Maler Joshua Reynolds. Im Rijksmuseum steht als Untertitel "Offiziere und andere Schützen des Bezirks II in Amsterdam, unter Führung von Hauptmann Frans Banninck Cocq und Leutnant Willem van Ruytenburch".

Rembrandt van Rijn, Die Nachtwache, 1642 (Ausschnitt)

Rembrandt experimentierte schon während seiner Lehrzeit mit verkochten und eingedickten Ölen, um die Materialität der Farbe stärker hervorzuheben, das beruhte aber eher auf einem der vielen Trends seiner Zeit. Er verwendete übliche Rohstoffe und gängige Techniken in der Umsetzung. Geheimrezepturen wurden ihm im 19. Jahrhundert nur deshalb angedichtet, weil das Wissen um historische Maltechniken weitgehend verlorengegangen war. Richtig ist, dass gegen Ende von Rembrandts Leben sowohl die eher düstere Hell-Dunkel-Malerei als auch die Impasto-Technik zunehmend aus der Mode kam und die farbigen und helleren Barockstile aus Frankreich und Italien bevorzugt wurden. Selbst die ehemaligen Schüler Rembrandts malten fast in der sogenannten „feinen Manier“, bei der nicht mehr die Wirkung durch Materialität der Farbe angestrebt wurde, sondern eine unaufdringliche Maltechnik, die sich den Motiven unterordnen sollte.