Kunst der Massen, Kunst der Eliten

Ein Unbehagen geht um im gehobenen Bildungsbürgertum. In den Bibliotheken wird darüber gesprochen, ein Flüstern in Lese- und Musikzimmern, lautstarke Proteste in den Westkurven der Museums-Cafés, Diskussionen während einer Vernissage. Überall scheint er gegenwärtig zu sein, der Geschmacksgulag der Massen: Leonardos Gioconda auf Untersetzern für Schnapsgläser, Raffaels sixtinische Putten auf Schanayas Schlabberlätzchen, Impressionisten auf den Skatkarten der Dorfkneipe und Picassos blauer Harlekin auf dem Gäste-WC der Reingungskraft – ganz zu schweigen von der Gossifizierung der Kunst bei IKEA und in den Baumärkten. Im Fernsehen wartet gar der Leibhaftige mit Minipli höchstersönlich auf die armen Seelen, Bob Ross als Endloswiederholung in Farbe, und so etwas hätte es früher ja nicht gegeben.

Was sich hier – etwas unfair, das ist wahr – wie die übertriebene Darstellung eines narzistisch gewürzten Hochmuts liest, beruht auf dem verbreiteten Unverständnis kulturell gebildeter Menschen gegenüber den unterschiedlichen Auffassungen zum Begriff Kunst innerhalb der Gesellschaft.

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Das Handwerk der Malerei: Buchempfehlungen für Künstler

Im Zeitalter der Zünfte dauerte die kostenpflichtige Lehrzeit für Maler etwa 12 Jahre, inklusive der so genannten Wanderjahre. 12 Jahre betrug auch das durchschnittliche Alter der Lehrlinge beim Eintritt in die Werkstatt. Die ersten Jahre verbrachte der Lehrling mit Zeichnen (und vermutlich mit Bier holen). Erst als Geselle durfte er Pigmente anreiben und die Paletten vorbereiten. Die Malpraxis beschränkte sich dann auf das Kopieren und Adaptieren bestehender Gemälden. Diese Praxis der Adaption im Stil einer Werkstatt galt auch für die anschließenden Wanderjahre, der „eigene Stil“ wurde in der Regel also erst nach dem Ende der langen Ausbildungszeit entwickelt.

Wer heutzutage die Ölmalerei erlernen will, besucht eine regionale Volkshochschule oder blickt einem Künstler über die Schulter. Andere sehen sich Videos im Internet an oder kaufen mehrstündige Lernfilme auf DVD. Das größte Angebot gibt es aber immer noch als Ratgeber in Buchform.

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1981-1984: Ich mache dann mal was mit Ölfarben

Kunst fesselte mich schon als kleines Kind, ich habe ständig mit Buntstiften gezeichnet. Zuhause begann ich schon als 12-Jähriger, die großen Maler aus den Abbildungen der Kunstbuchsammlung meiner Eltern abzuzeichnen. In der Schule wurden meine Bilder oft ausgestellt, im Kunstunterricht bekam ich fast immer eine Eins. Der Schritt zur Ölmalerei war da nur logisch.

Ja, solche Geschichten hört und liest man gern von Menschen, die dann später natürlich irgendwas mit Kunst machen.
Nein, bei mir war das viel profaner.

Ich freute mich zwar jede Woche auf das Fehlersuchspiel „Original und Fälschung“ ganz hinten in der Hörzu, aber sonst war die Umgebung meiner Kindheit und Jugend weitgehend kunstbefreit. Wir hatten keine Gemälde oder Kunstdrucke an den Wänden, meine Eltern hatten keine Kunstbuchsammlung und waren auch nicht mit kulturell durchgeglühten Menschen befreundet.

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