Bob Ross: Kunst als „happy little accident“

Wenn es darum geht, wie man Farben aus der Tube auf eine Leinwand bringen kann, wie man eine Landschaft malen oder wie man Malerei überhaupt lernen soll, taucht aus dem Ozean der Antworten, Diskussionen und Erörterungen irgendwann und unweigerlich auch der Name Bob Ross auf.

Die Reaktionen auf die Nennung des Namens als differenziert zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. Für viele Hobbykünstler ist er ein Messias mit der frohen Botschaft: Malerei als Paradies auf Erden, frei von Fehlern und frei vom zerfressendem Fegefeuer künstlerischer Selbstzweifel. Für andere Hobbykünstler ist er gerade deshalb eher ein Voldemort der Malerei, da reicht ein lapidares „happy little clouds“ als Synomym für „Du-weisst-schon-wer“, in Foren oder Gesprächen begleitet von Sarkasmus.

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Kunst der Massen, Kunst der Eliten

Ein Unbehagen geht um im gehobenen Bildungsbürgertum. In den Bibliotheken wird darüber gesprochen, ein Flüstern in Lese- und Musikzimmern, lautstarke Proteste in den Westkurven der Museums-Cafés, Diskussionen während einer Vernissage. Überall scheint er gegenwärtig zu sein, der Geschmacksgulag der Massen: Leonardos Gioconda auf Untersetzern für Schnapsgläser, Raffaels sixtinische Putten auf Schanayas Schlabberlätzchen, Impressionisten auf den Skatkarten der Dorfkneipe und Picassos blauer Harlekin auf dem Gäste-WC der Reingungskraft – ganz zu schweigen von der Gossifizierung der Kunst bei IKEA und in den Baumärkten. Im Fernsehen wartet gar der Leibhaftige mit Minipli höchstersönlich auf die armen Seelen, Bob Ross als Endloswiederholung in Farbe, und so etwas hätte es früher ja nicht gegeben.

Was sich hier – etwas unfair, das ist wahr – wie die übertriebene Darstellung eines narzistisch gewürzten Hochmuts liest, beruht auf dem verbreiteten Unverständnis kulturell gebildeter Menschen gegenüber den unterschiedlichen Auffassungen zum Begriff Kunst innerhalb der Gesellschaft.

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Das Handwerk der Malerei: Buchempfehlungen für Künstler

Im Zeitalter der Zünfte dauerte die kostenpflichtige Lehrzeit für Maler etwa 12 Jahre, inklusive der so genannten Wanderjahre. 12 Jahre betrug auch das durchschnittliche Alter der Lehrlinge beim Eintritt in die Werkstatt. Die ersten Jahre verbrachte der Lehrling mit Zeichnen (und vermutlich mit Bier holen). Erst als Geselle durfte er Pigmente anreiben und die Paletten vorbereiten. Die Malpraxis beschränkte sich dann auf das Kopieren und Adaptieren bestehender Gemälden. Diese Praxis der Adaption im Stil einer Werkstatt galt auch für die anschließenden Wanderjahre, der „eigene Stil“ wurde in der Regel also erst nach dem Ende der langen Ausbildungszeit entwickelt.

Wer heutzutage die Ölmalerei erlernen will, besucht eine regionale Volkshochschule oder blickt einem Künstler über die Schulter. Andere sehen sich Videos im Internet an oder kaufen mehrstündige Lernfilme auf DVD. Das größte Angebot gibt es aber immer noch als Ratgeber in Buchform.

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