{"id":980,"date":"2013-08-31T13:33:07","date_gmt":"2013-08-31T13:33:07","guid":{"rendered":"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/?p=980"},"modified":"2026-04-23T07:04:54","modified_gmt":"2026-04-23T07:04:54","slug":"kunst-der-massen-kunst-der-eliten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/2013\/08\/kunst-der-massen-kunst-der-eliten\/","title":{"rendered":"Kunst der Massen, Kunst der Eliten"},"content":{"rendered":"<p>Ein Unbehagen geht um im gehobenen Bildungsb\u00fcrgertum. Ein Fl\u00fcstern in Bibliotheken, Lese- und Musikzimmern, lautstarke Proteste in den Westkurven der Museums-Caf\u00e9s, Diskussionen w\u00e4hrend einer Vernissage. \u00dcberall scheint er gegenw\u00e4rtig zu sein, der Geschmacksgulag der Massen: Leonardos Gioconda auf Untersetzern f\u00fcr Schnapsgl\u00e4ser, Raffaels sixtinische Putten auf Schanayas Schlabberl\u00e4tzchen, Impressionisten auf den Skatkarten der Dorfkneipe, Picassos blauer Harlekin auf dem G\u00e4ste-WC der Reingungskraft und alles zusammen sogar direkt innerhalb der heiligen Hallen im Museumsshop. Ganz zu schweigen von der Gossifizierung der Kunst bei IKEA und in den Baum\u00e4rkten, Meisterwerke und M\u00fcll gemeinsam in einem Regal. Im Fernsehen wartet gar der Leibhaftige mit Minipli h\u00f6chsters\u00f6nlich auf die armen Seelen, Bob Ross als Endloswiederholung in Farbe, und so etwas h\u00e4tte es fr\u00fcher ja nicht gegeben.<\/p>\n<p>Was sich hier &#8211; total unfair &#8211; wie die \u00fcbertriebene Darstellung eines narzistisch gew\u00fcrzten Hochmuts liest, beruht auf dem verbreiteten Unverst\u00e4ndnis kulturell gebildeter Menschen gegen\u00fcber den unterschiedlichen Auffassungen zum Begriff Kunst innerhalb der Gesellschaft.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Erkenntnisse und Urteilsbildung<\/h2>\n<blockquote><p>&#8220;Die Kernaussage des radikalen Konstruktivismus ist, dass eine Wahrnehmung kein Abbild einer bewusstseinsunabh\u00e4ngigen Realit\u00e4t liefert, sondern [&#8230;] immer eine Konstruktion aus Sinnesreizen und Ged\u00e4chtnisleistung darstellt. Deshalb ist Objektivit\u00e4t im Sinne einer \u00dcbereinstimmung von wahrgenommenem (konstruiertem) Bild und Realit\u00e4t unm\u00f6glich; jede Wahrnehmung ist vollst\u00e4ndig subjektiv.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Es stimmt schon, derart fr\u00fch aus <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Radikaler_Konstruktivismus\">Wikipedia<\/a> zu zitierten ist eigentlich immer ein sicheres Zeichen f\u00fcr den Beginn eines belanglosen Textes. Hier soll das Zitat dagegen als Grundlage f\u00fcr die Auseinandersetzung mit dem Ph\u00e4nomen der Kunsturteile und deren Vermittlung dienen. Bevor Missverst\u00e4ndnisse auftreten: der radikale Konstruktivismus bezeichnet nicht die gemalten Quadrate von Malewitsch, sondern einen Zweig der Erkenntnistheorie, der nicht nur eine Erkl\u00e4rung zu den Ursachen unterschiedlicher Kunstauffassungen bietet, sondern auch \u00a0Grenzen und Wege der Kunstvermittlung.<\/p>\n<p>Im t\u00e4glichen Leben, das neben unserer Wahrnehmung der allt\u00e4glichen Welt auch die Wahrnehmung von Kunst beinhaltet, gehen wir davon aus, die Welt sei identisch mit dem Bild, das wir von ihr haben. Der radikale Konstruktivismus konstatiert die Unm\u00f6glichkeit, Realit\u00e4t zu erkennen, da Realit\u00e4t nichts anderes ist als ein von Sinneswahrnehmungen, Denkleistungen und Erfahrungen geschaffenes Konstrukt. Konstruktivisten sprechen daher auch von der &#8220;operationalen Geschlossenheit&#8221; unseres Erkentnissystems.<\/p>\n<p>Der Weg zu Erkenntnissen f\u00fchrt \u00fcber die Methode der Unterscheidung. Aus den Erkenntnisse bilden wir wiederum Urteile, die damit ebenfalls keinen Anspruch auf absolute Wahrheiten erheben k\u00f6nnten. Zu diesen Gegensatzpaaren geh\u00f6ren nat\u00fcrlich auch die qualitativen Begriffe &#8220;gut&#8221; und &#8220;schlecht&#8221;. Und damit sind wir schon bei den Urteilen \u00fcber Kunst und Nichtkunst.<\/p>\n<h2>Das unbefangene Auge<\/h2>\n<p>Das immer wieder und gern beschworene &#8220;unbefangene Auge&#8221; ist schon als Begriff falsch, da das Auge lediglich ein Organ darstellt, dessen weitergeleitete Reize vom Gehirn verarbeitet werden. Sehen ist au\u00dferdem ein Lernprozess. Da die gewonnenen Erkenntnisse von den bereits vorhandenen Erkenntnissen abh\u00e4ngig sind und auf ihnen aufbauen, kann man auch nicht vom unbefangenen Blick reden, erst recht nicht, wenn aus diesen Erkenntnissen Urteile abgeleitet werden: Das pers\u00f6nliche Kunsturteil ist nichts anderes als das Ergebnis subjektiver Gehirnakrobatik.<\/p>\n<p>Mit diesen kurzen Beispielen wird auch offensichtlich, dass sich das Geistige in der Kunst vielleicht im Kopf von Kandinsky so abgespielt haben mag, wie er es auf die Leinwand brachte, aber nicht unbedingt in anderen K\u00f6pfen.<\/p>\n<h2>Der befangene Betrachter<\/h2>\n<p>Es spielt damit eine entscheidende Rolle, welchen Hintergrund ein Kunstbetrachter und Kunstbeurteilender schon vorher als Betrachter und Urteilender hatte. Nat\u00fcrlich denkt man dabei sofort an das Fachpublikum mit geschultem Auge, die anhand ihrer Kunsterkenntnisse und Kunsturteile\u00a0Konversation treiben. Vordergr\u00fcndig, um sich \u00fcber die Aspekte der Kunst auszutauschen, hintergr\u00fcndig vor allem, um in der Gemeinschaft mit den Mitteln des Fachwissens und des Fachvokabulars zu schwatzen und zu gl\u00e4nzen.<\/p>\n<p>(btw: Der Austausch, mehr der Worte denn der Gedanken, scheint ohnehin die K\u00f6nigsklasse der menschlichen Kommunikation zu sein. Man m\u00f6ge mir gern das Gegenteil meiner These beweisen, dass ich n\u00e4mlich die F\u00e4higkeit zur Sprache eben nicht auf Grund der anatomischen Gegebenheiten f\u00fcr eine typisch menschliche F\u00e4higkeit halte, sondern als logische Folge einer gezielten Auslese der Evolution, in deren Verlauf sich stets nur die an den anatomische Voraussetzungen f\u00fcr ausdauernde Geschw\u00e4tzigkeit perfekt angepassten Kehlkopftr\u00e4ger gleichzeitig auch als perfekte Erbguttr\u00e4ger durchgesetzt haben, w\u00e4hrend die stillen Denker genau wie diverse Normvarianten allenfalls als Kuriosit\u00e4t und leidlich tolerierte Mitmenschen eine fortlaufende Randnotiz darstellen, deshalb auch der Spruch \u00fcber das Gold des Schweigens lediglich ein moralinsaures Alibi f\u00fcr den weitaus beliebteren Tratsch im H\u00f6hleneingang ist, beziehungsweise im Treppenhaus. Ich entstamme, falls es noch nicht aufgefallen sein sollte, selbst einer derart t\u00fcchtigen Linie, die sich gegen\u00fcber potentiellen Paarungspartnerinnen und -partnern trotz gravierender Unzul\u00e4nglichkeiten wohl allein durch endlose Monologe unwiderstehlich machte, vermutlich schon im Neandertal, das ja bekannterma\u00dfen in direkter N\u00e4he zum fast schon uralten Galeriestandort D\u00fcsseldorf liegt. Die m\u00f6gliche, wenn nicht gar zwingend erscheinende Kausalit\u00e4t zwischen dem Geschw\u00e4tz im Neandertal und den Konversationen in D\u00fcsseldorfer Galerien wurde wissenschaftlich bisher nicht ausreichend gew\u00fcrdigt oder untersucht!)<\/p>\n<h2>Galeriegespr\u00e4che<\/h2>\n<p>W\u00fcrden der Akzeptanz konnte ich als junger Mann auf Vernissagen inmitten der Kunstliebhaber mit der riskanten Bemerkung erzielen, das Blau (oder Ocker oder Rot, je nach erkennbarer Farbgebung) sei so pr\u00e4sent in der Gesamtwirkung, fast wie in dem einen Tempel in Knossos. Es klappte immerhin zwei Mal, aber ich war ja schon selbst verbandelt mit diesen Kreisen und wollte mir mein Standing mit den \u00fcberwiegend doch netten Leuten auch nicht verscherzen.<\/p>\n<p>Die mit Kopfnicken und anerkennenden Blicken untermauerte Best\u00e4tigung meiner Auffassung \u00e4nderte aber nichts an der Tatsache, dass ich Knossos und \u00fcberhaupt Kreta als Reiseziele bislang nie besuchte und ich nicht einmal weiss, ob es dort \u00fcberhaupt einen Tempel gab oder gibt, der dann noch Reste einer antiken Farbe aufweisen m\u00fcsste, um meine Egriffenheit glaubhaft erscheinen zu lassen.<\/p>\n<p>Um Glaubhaftigkeit geht es bei der Betrachtung von und den Austausch \u00fcber Kunst auch nicht. Eher um den unersch\u00fctterlichen Glauben an die Kunst, in der Art, dass sich eine mit religi\u00f6sen oder spiritistischen Vereinigungen vergleichbare Interessengruppe in ihrem Heiligtum feste Ritualen pflegt.<\/p>\n<p>Wenn von gehobener Konversation die Rede ist, sind damit keine Gespr\u00e4che \u00fcber ein neues Regalsystem im aktuellen IKEA-Katalog oder \u00fcber die vergangene Ausstellung der Malklasse einer Volkshochschule gemeint.\u00a0Auf diese Schlussfolgerung k\u00f6nnte man freilich entgegnen: stimmt schon, aber warum ist das so? Warum wird der Begriff Kultur eng mit Musik, Literatur und Kunst jenseits der Unterhaltungsbranche in Verbindung gebracht, und woher kommt dieses Urteil?<\/p>\n<p>Herr A. hat es gern realistisch, f\u00fcr ihn sind D\u00fcrer, Rembrandt und Caspar David Friedrich die wahren K\u00fcnstler: Kunst kommt von K\u00f6nnen, auf Bildern erwartet er etwas Bekanntes, etwas, das er wieder erkennt. Herr A. besucht keine Galerie und er geh\u00f6rt zur Mehrheit der Gesellschaft.\u00a0Bez\u00fcglich der Wahrnehmung und Erkenntnisbildung von Kunst gibt es allerdings \u00fcberraschende Unsch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Herr A. als Anh\u00e4nger des Naturalismus muss nicht zwingend den\u00a0ordin\u00e4ren Realismus eines Bob Ross m\u00f6gen. Herr A. kann durchaus auch mit Jawlensky, Kandinsky und Picasso leben. Nicht etwa, weil er die Bilder versteht oder verstehen will, sondern weil er erfahren hat, dass nach allgemeiner, durch Medien verbreiterer Auffassung diese Maler gro\u00dfe K\u00fcnstler sein m\u00fcssen, beziehungsweise zu sein haben. Briefmarken, Werbegrafiken, IKEA- und Baumarkt-Poster, Berichte in der Tagesschau: das alles ist Teil seiner Wahrnehmung und seiner Bildung, wenn auch ungefragt vermittelt. Qualitativ spielen diese Erkenntnisse f\u00fcr sein Kunsturteil allerdings keine gr\u00f6\u00dfere Rolle als die ebenso massenmedial vermittelten\u00a0Erkenntnisse\u00a0\u00fcber Kriege, Krisen und Katastrophen im fernen Ausland. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass der auf Bilder spuckende Besucher l\u00e4ngst dem achselzuckenden Desinteressierten gewichen ist und M\u00f6chtegernskandalk\u00fcnstler gesellschaftliche Tabubr\u00fcche als Kunstaktion deklarieren, um \u00fcberhaupt mit dem Thema Kunst in Verbindung gebracht zu werden.<\/p>\n<h2>Bildung der Elite und Elitenbildung<\/h2>\n<p>Dass eine oft schon seit der Kindheit von &#8220;Hochkultur&#8221; gepr\u00e4gte Gesellschaftsschicht ihre eigenen Wahrnehmungen, Erkenntnisse und Urteile als Ma\u00dfstab nehmen und diese eher mit anderen Mitgliedern der gebildeten Gesellschaftsschicht teilen als mit Bob-Ross-Fans, ist ebenso eine Binse wie die Tatsache, dass hier auch der Umkehrschluss f\u00fcr die Freunde von\u00a0Bob Ross gilt. Das Umfeld bestimmt die M\u00f6glichkeiten der kulturellen Bildung. Herr A. wird ohne ein derartiges Umfeld weiterhin nur den Naturalismus in seinem Kunsturteil zulassen.<\/p>\n<p>Dass es anders herum jedoch auch nicht besser l\u00e4uft, zeigen die Beispiele aus dem &#8220;Sozialistischen Realismus&#8221;. Der idealistisch motivierte Versuch, eine gesellschaftlich relevante und f\u00fcr alle Mitglieder der Gesellschaft zug\u00e4ngliche Kunst zu f\u00f6rdern, f\u00fchrte zu einem formal und inhaltlich banalen Realismus, der qualitativ irgendwo zwischen r\u00f6hrendem Hirschen und Werbeplakat zu verorten ist. Die gut gemeinte, aber zum Scheitern verurteilte Instrumentalisierung der Kunst zum Zweck eines gesellschaftspolitischen Bildungsauftrag konnte nat\u00fcrlich nur \u00fcber den kleinsten gemeinsamen Nenner in Form- und Stilfragen erfolgen. Auch hier korrelieren die geschlossenen Ordnungssysteme des Einzelnen &#8211; und damit die Kontingenz der Wahrnehmungen, Erkenntnisse und Urteile &#8211; mit dem ideologisch verbr\u00e4mten Mythos einer Massenkunst, die von Bildsprachen westlicher Werbeplakate kaum zu unterscheiden sind.<\/p>\n<p>Die seit Jahrzehnten steigenden Besucherzahlen von gro\u00dfen Retrospektiven und Themenausstellungen k\u00f6nnten immerhin nahelegen, dass Kunst und Kultur ein allgemein hohes Qualit\u00e4tsniveau in unserer Gesellschaft erreicht haben. Tats\u00e4chlich garantieren nur die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen gro\u00dfe Besucherstr\u00f6me bei Ausstellungen, also die gro\u00dfen Namen der Kunstgeschichte, die allerdings innerhalb der Medienrezeption schon eine kritische Masse ihrer Pr\u00e4senz erreicht haben m\u00fcssen, um f\u00fcr volle H\u00e4user, Caf\u00e9s und Shops garantieren zu k\u00f6nnen, also schon durch IKEA, Bierdeckel, Schlabberl\u00e4tzchen und Kalender der Apotheke als bekannt vorausgesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie sag ich&#8217;s aber Herrn A. und dem Heer der vermeintlich Ahnungslosen?\u00a0 Zun\u00e4chst gilt es festzuhalten, dass es weitaus dringendere Probleme als eine angemessene und sinnvolle Kunstvermittlung gibt. Kunst, da k\u00f6nnen Kulturschaffende erz\u00e4hlen, was sie wollen, hat gesellschaftlich noch nie etwas ver\u00e4ndert. Bestenfalls hat sie es geschafft, Ver\u00e4nderungen zu unterst\u00fctzen, und das nicht immer nur zum Besten. In der Regel war es eher umgekehrt: gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen haben die Kunst, ihre Rezeption und ihr Selbstverst\u00e4ndnis ver\u00e4ndert. Es ist also kein Drama und schon gar keine kulturelle Katastrophe, wenn sich Menschen einen bunten Hundertwasser-Druck aus dem Baumarkt an die Wand h\u00e4ngen. Das sagt eher etwas \u00fcber die marktwirtschaftlichen Regeln, Mechanismen und Folgen aus, die nicht nur f\u00fcr Gro\u00dfkonzerne gelten, sondern auch f\u00fcr die Kultur innerhalb eines marktwirtschaftlich orientierten Wertesystems.<\/p>\n<h2>Gute Kunst, schlechte Kunst?<\/h2>\n<p>Kunst und Kultur sind ein Merkmal und fester Bestandteil unseres menschlichen Daseins. Die Vermittlung, auch in den Schulen, ist gut beraten, nicht nur das einzufordern und wiederzuk\u00e4uen, was eine Elite, was Kunstb\u00fccher, was Ausstellungen und was Massenmedien als scheinbar gegebene Erkenntnisse und Urteile zur Kunst pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Wenn, wie am Anfang des ersten Teils dargestellt, jede Erkenntnis und jedes Urteil auf dem geschlossenen Ordnungssystem des Einzelnen beruht, kann die Vermittlung von Kunst nur greifen, wenn sie die subjektiven Erkenntnisse als Grundlage akzeptiert. Und da Erkenntnisse wie Urteile auf subjektiven Operationen beruhen, sind kurzes Innehalten und ein paar zus\u00e4tzliche Gedankeng\u00e4nge sinnvoll, bevor man ein\u00a0Kunsturteil als &#8220;richtig&#8221; oder als &#8220;falsch&#8221; bezeichnet.<\/p>\n<p>Zu einer ehrlichen Kunstvermittlung \u00a0geh\u00f6rt auch die Offenheit zuzugeben, dass Kunstgeschichte keine exakte Wissenschaft ist und dass sie das noch nie sein konnte. Falsche Kunsturteile, die sich sogar im Auf und Ab der merkantilen Bewertungen im Laufe der Jahrhunderte widerspiegeln, geh\u00f6ren ebenso zur Kunstvermittlung wie die Hervorhebung zumindest mehrheitsf\u00e4higer Merkmale gro\u00dfer Kunst. Das, was ich im Schulunterricht als Kunst vermittelt bekam, hat dazu gef\u00fchrt, dieses Fach trotz meines offensichtlich vorhandenen Grundtalents\u00a0so schnell es ging abzuw\u00e4hlen; nicht einmal die M\u00f6glichkeit einer bequemen Verbesserung des Zensurendurchschnitts konnte mich halten. <a href=\"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/2011\/12\/1980-1984-ich-mache-denn-mal-was-mit-olfarben\/\">Wenige Monate sp\u00e4ter begann ich zu zeichnen.<\/a> Meine Erfahrungen sind, das weiss ich von anderen Grafikern, Designern und K\u00fcnstlern, keine Ausnahme.<\/p>\n<p>Es gilt also, die Menschen bei Ihrem Kunstverst\u00e4ndnis abzuholen, auch wenn das im Fall von Herrn A. ein Wald mit r\u00f6hrenden Hirschen ist. In der Galerie oder w\u00e4hrend einer Performance braucht niemand auf Herrn A. zu warten.\u00a0Und wenn ich an vielen Stellen auch den Eindruck erweckt haben k\u00f6nnte: es geht eben nicht darum, Erkenntnisse mit Spott zu zerst\u00f6ren, sondern darum, neue Differenzierungen zu erm\u00f6glichen, aus denen sich erst neue Erkenntnisse und neue Urteile bilden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Hoffnung ist tr\u00fcgerisch, solange die Medien mit ihrer Strategie Erfolg haben, Menschen mit dem Bequemen zu Begl\u00fccken. Volksmusik, Schlagerwettbewerbe, Groschenheftchen, Talkshows, Quiz-Sendungen und sogenannte Comedy; man kann das Verbl\u00f6dungsstrategie nennen, Konsum der Beliebigkeit oder Kommerzkunst. Man kann das auch als Kultur bezeichnen. Angesichts der gegen Null gehenden gesellschaftlichen Relevanz ist es jedoch vollkommen egal, ob man f\u00fcr Musil, Beethoven und Picasso Partei ergreift oder eher f\u00fcr Konsalik, Rex Gildo und <a href=\"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/2013\/09\/bob-ross-kunst-als-happy-little-accident\/\">Bob Ross<\/a>.<\/p>\n<p>Die Hoffnung gebe ich trotzdem nicht komplett auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Unbehagen geht um im gehobenen Bildungsb\u00fcrgertum. Ein Fl\u00fcstern in Bibliotheken, Lese- und Musikzimmern, lautstarke Proteste in den Westkurven der Museums-Caf\u00e9s, Diskussionen w\u00e4hrend einer Vernissage. \u00dcberall scheint er gegenw\u00e4rtig zu sein, der Geschmacksgulag der Massen: Leonardos Gioconda auf Untersetzern f\u00fcr Schnapsgl\u00e4ser, Raffaels sixtinische Putten auf Schanayas Schlabberl\u00e4tzchen, Impressionisten auf den Skatkarten der Dorfkneipe, Picassos blauer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,12,25],"tags":[],"class_list":["post-980","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-kunst-und-wahrnehmung","category-kunstvermittlung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/980","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=980"}],"version-history":[{"count":60,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/980\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1474,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/980\/revisions\/1474"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}