{"id":740,"date":"2012-01-01T13:25:34","date_gmt":"2012-01-01T13:25:34","guid":{"rendered":"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/?p=740"},"modified":"2020-04-26T13:35:24","modified_gmt":"2020-04-26T13:35:24","slug":"das-handwerk-der-malerei-buchempfehlungen-fur-kunstler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/2012\/01\/das-handwerk-der-malerei-buchempfehlungen-fur-kunstler\/","title":{"rendered":"Das Handwerk der Malerei: Buchempfehlungen f\u00fcr K\u00fcnstler"},"content":{"rendered":"<p>Im Zeitalter der Z\u00fcnfte dauerte die kostenpflichtige Lehrzeit f\u00fcr Maler etwa 12 Jahre, inklusive der so genannten Wanderjahre. 12 Jahre betrug auch das durchschnittliche Alter der Lehrlinge beim Eintritt in die Werkstatt. Die ersten Jahre verbrachte der Lehrling mit Zeichnen (und vermutlich mit Bier holen). Erst als Geselle durfte er Pigmente anreiben und die Paletten vorbereiten. Die Malpraxis beschr\u00e4nkte sich dann auf das Kopieren und Adaptieren bestehender Gem\u00e4lden. Diese Praxis der Adaption\u00a0im Stil einer Werkstatt\u00a0galt auch f\u00fcr die anschlie\u00dfenden Wanderjahre, der &#8220;eigene Stil&#8221; wurde in der Regel also erst nach dem Ende der langen Ausbildungszeit entwickelt.<\/p>\n<p>Wer heutzutage die \u00d6lmalerei erlernen will, besucht eine regionale\u00a0Volkshochschule oder blickt einem K\u00fcnstler \u00fcber die Schulter. Andere sehen sich Videos im Internet an oder kaufen mehrst\u00fcndige Lernfilme auf\u00a0DVD. Das gr\u00f6\u00dfte Angebot gibt es aber immer noch als\u00a0Ratgeber in Buchform.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Der schnelle\u00a0Zeitgeist<\/h2>\n<p>Anleitungsb\u00fccher aus der Rubrik &#8220;Wie male ich einen Kopf, wie eine sich bewegende Person, wie einen Vogel&#8221; gab es schon im 16. Jahrhundert, kann man alles in dem Buch\u00a0<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/071489317X\">Kunst und Illusion<\/a>\u00a0von\u00a0Ernst H. Gombrich nachlesen, das ich bereits in einem anderen Beitrag erw\u00e4hnt habe.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die fr\u00fchen Anleitungen jedoch als <em>erg\u00e4nzendes Material<\/em> f\u00fcr das Selbststudium hauptberuflicher Maler konzipiert\u00a0waren, bedienen die heutigen Ratgeber aus den Regalen der Fachgesch\u00e4fte den umsatzstarken Markt der Hobbyk\u00fcnstler. Das hat Auswirkungen auf Umfang und Qualit\u00e4t. Die Anleitungsb\u00fccher m\u00fcssen schnelle und befriedigende Erfolge versprechen, um auf dem Buchmarkt erfolgreich zu sein \u2013 unabh\u00e4ngig von Vorkenntnissen oder dem Talent der Leser. Nie waren Instant-L\u00f6sungen so modern wie heute. Jeder Ratgeber, der diesen Markt bedienen will, muss deshalb leicht nachzuvollziehende L\u00f6sungen anbieten und darf nicht zu umfangreich sein. Am besten noch mit dem billigsten Malmaterial, bei dem einem das Lein\u00f6l direkt aus der Tube auf die Hose tropft. Das nennt sich &#8220;marktkonform&#8221;, ist aber auch unter der Bezeichnung &#8220;kleinster gemeinsamer Nenner&#8221; bekannt.\u00a0Ausnahme sind Bob Ross-Produkte, da bezahlt man lieber f\u00fcr den Namen und ein System als f\u00fcr Qualit\u00e4t des Malmaterials.<\/p>\n<p>Verlage bevorzugen\u00a0Titel mit maximal 150 Seiten, alles \u00fcber 200 Seiten ist ein Wagnis. Ein neuer Titel zu Techniken der \u00d6lmalerei auf 350 Seiten wird sich\u00a0ein Verlag nicht antun.\u00a0Ich wei\u00df, wovon ich rede: 2007 schickte ich das Konzept f\u00fcr ein Praxisbuch zur \u00d6lmalerei an einen bekannten Verlag. Zur\u00fcck kam ein individueller Brief. Keine Standardabsage, aber eben doch ein Absage. Das Hauptproblem war nicht die Vorstellung alternativer Maltechniken zur Alla-Prima-Malerei, der geplante Umfang von 300 Seiten schreckte ab. Ein anderer Verlag war interessiert, aber dann kontaktierte mich Galileo-Press. Habe ich also zun\u00e4chst ein <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3836215292\">Webdesign-Buch<\/a> geschrieben, sogar eine 2. Auflage.<\/p>\n<p>Ich kann hier nat\u00fcrlich nur meine sehr subjektive Meinung zu den zahlreichen Ratgebern abgeben, die ich aus Gr\u00fcnden der Marktrecherche zum geplanten Praxisbuch angeschafft hatte. Kurz gesagt: von den meisten Anleitungsb\u00fcchern halte ich nicht viel, das best\u00e4tigten auch die Erlebnisse vieler Hobbymalerinnen und -maler, die mich immer wieder kontaktierten. Die Schritt-f\u00fcr-Schritt-Methoden scheitern oft dann, wenn Hobbyk\u00fcnstler versuchen, die an die Motive gebundenen Anleitungen auf eigene Bildinhalte zu \u00fcbertragen. Wer jetzt glaubt, dieses Problem treffe nur auf die Methode von Bob Ross zu, irrt. Zu den Hintergr\u00fcnden dieses Scheiterns werde ich in K\u00fcrze einen separaten Beitrag schreiben.<\/p>\n<h2>Buchempfehlungen zur \u00d6lmalerei<\/h2>\n<p>Kommen wir zu B\u00fcchern, die ich empfehlen kann. \u00a0Verzichtet man auf die zahlreichen Ratgeber und Anleitungsb\u00fccher, bleiben nur noch eine Handvoll Titel \u00fcbrig, die zudem nur in Ausnahmef\u00e4llen die \u00d6lmalerei als alleinige Technik behandeln.\u00a0Zu speziellen Techniken aus der Rubrik &#8220;wie hat der das blo\u00df gemalt?&#8221; gibt es zwar viele B\u00fccher, zahllose Artikel in Fachzeitschriften und kostenlose PDF-Dateien im Internet, aber das ist f\u00fcr die meisten Hobbymaler bereits zu speziell, zu wissenschaftlich und fast immer in Englisch. Zwei englischsprachige Titel nenne ich am Ende trotzdem.<\/p>\n<h4>Eine Einf\u00fchrung im Internet<\/h4>\n<p>Die K\u00fcnstlerin\u00a0Bozena Waclawik hat unter www.kunst-malerei.info\u00a0ein recht gutes und umfangreiches <a href=\"http:\/\/www.kunst-malerei.info\/oelmalerei.html\">Online-Buch zur\u00a0\u00d6lmalerei<\/a>\u00a0ver\u00f6ffentlicht. Hier finden ambitionierte Hobbymaler eine komplette Einf\u00fchrung mit zahlreichen Praxistipps. Die Benutzerf\u00fchrung ist leider etwas gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, daf\u00fcr finden die Nutzer Informationen zu allen relevanten Themen der \u00d6lmalerei.<\/p>\n<h2>Standardwerke: Grundlagen, Materialien, Praxis<\/h2>\n<h3>Max Doerner:<strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3862300021\/\">Malmaterial und seine Verwendung im Bilde<\/a><\/strong><\/h3>\n<p>Den &#8220;Doerner&#8221; habe ich ausf\u00fchrlich\u00a0<a title=\"Doerners Mischtechnik: Der verharzte Mythos\" href=\"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/2011\/12\/kritik-doerner-malmaterial\/\">in einem anderen Beitrag auseinandergenommen und\u00a0kritisiert<\/a>. Gerade der f\u00fcr K\u00fcnstler vermeintlich wichtige Abschnitt zu historischen Maltechniken ist nicht nur voller Spekulationen \u2013 die Schlussfolgerungen und Erkl\u00e4rungsversuche Doerners sind in weiten Teilen schlichtweg falsch. Ja, ich erw\u00e4hne das Buch, und nein, ich empfehle es trotzdem nicht. Es steht hier nur deshalb, weil der Mythos Doerner gerade bei Hobbymalern weit verbreitet ist.<\/p>\n<p>&#8220;Der Doerner&#8221; verdient als Institution einen Platz in einer gut sortierten K\u00fcnstlerbibliothek, gerade deshalb sollten\u00a0Hobbymaler ihr Geld zun\u00e4chst in bessere B\u00fccher und in gutes Malmaterial investieren.<\/p>\n<h3>Kurt Wehlte:<strong> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/386230003X\/\">Werkstoffe und Techniken der Malerei<\/a><\/strong><\/h3>\n<p>Im Gegensatz zum Doerner kann ich Wehltes Buch uneingeschr\u00e4nkt empfehlen. Doerner ist meiner Ansicht nach auch deshalb obsolet, da Wehlte sein Buch gut 30 Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte und Doerner dort zitiert, wo er es f\u00fcr sinnvoll erachtet. Man darf seinem Urteil vertrauen.<\/p>\n<p>Mit 538 Seiten bietet das Buch eine vollst\u00e4ndige Referenz zu fast allen Bildtr\u00e4gern, Farb- und Bindemitteln. Zu beachten ist, dass Wehlte auch die Wandmalerei, Tempera- und Aquarelltechniken genauso ausf\u00fchrlich behandelt wie die \u00d6lmalerei. Als Nachschlagewerk ist das Buch erstklassig, auch wenn der Aufbau und die Kapitellogik f\u00fcr viele Leser ungew\u00f6hnlich sein d\u00fcrften.\u00a0Wehltes Buch begleitet mich seit 18 Jahren, ich lese fast w\u00f6chentlich etwas nach. In meiner Ausgabe gibt es noch veraltete Hinweise auf Acrylat-Produkte oder bestimmte Bildtr\u00e4ger, daf\u00fcr wird beispielsweise &#8220;Stra\u00dfburger Terpentin&#8221; als nicht mehr erh\u00e4ltlich beschrieben, das bei Kremer Pigmente zu beziehen ist. Achja, eine Liste mit Lieferanten von K\u00fcnstlermaterial folgt auch noch in einem separaten Beitrag.<\/p>\n<p>Wer sich gerade das erste \u00d6lfarbenset mit Pinsel, einem Malmittel und eine Leinwand gekauft hat, sollte den Wehlte angesichts der F\u00fclle an Informationen noch ein paar Monate\u00a0im Regal stehen lassen. Ambitionierte und fortgeschrittene Hobbymaler, die m\u00f6glichst alles \u00fcber die Werkstoffe und deren Einsatz in der Malerei lernen wollen, sollten beherzt zugreifen.\u00a0Egal, ob Loft, Altbau oder Wintergarten \u2013 Wehltes W\u00e4lzer geh\u00f6rt in jedes Atelier.<\/p>\n<h3>Thomas Hoppe:<strong> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3865021085\/\">Malkunde<\/a><\/strong><\/h3>\n<p>Wem der Wehlte zu umfangreich oder zu teuer sein sollte, greift zu diesem Buch. Thomas Hoppe ist nicht nur Restaurator, er ist auch derjenige, der den Doerner auf neustem Stand h\u00e4lt. Hoppe scheint sich zwar an einigen, wenigen Stellen bei Doerner und Wehlte zu bedienen, aber das ist angesichts seiner Kompetenz kein Problem, er wei\u00df, wor\u00fcber er schreibt.\u00a0Die Malkunde gibt es f\u00fcr knapp 20 Euro und ist auch noch in sehr guter Qualit\u00e4t bebildert \u2013 das ist gerde bei der Vorstellung von Pigmenten sehr informativ.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Vorteil des Buches ist die Aktualit\u00e4t der Inhalte (2005), moderne Kunstharze werden ersch\u00f6pfend und mit zahlreichen Rezepten behandelt, zum Thema Papier wird sogar der Digitaldruck erl\u00e4utert. Es gibt am Ende des Buches auch ein Kapitel zur Geschichte der Maltechnik, inhaltlich um L\u00e4ngen seri\u00f6ser als Doerners Spekulationen.<\/p>\n<p>Wie \u00fcberall gibt es auch hier kleine Abstriche in der B-Note. Hoppe empfiehlt beispielsweise\u00a0f\u00fcr Zwischenfirnisse das terpentin\u00f6lunl\u00f6slich auftrocknende Alkydharz als Alternative zum reversiblen Dammar- oder Mastixharz, das steht aber unter dem Abschnitt &#8220;Terpentin\u00f6l&#8221;, w\u00e4hrend er bei den Zwischenfirnissen (Tempera und \u00d6l) das Alkydharz nicht\u00a0erw\u00e4hnt.\u00a0Dennoch: Hoppes Buch schlie\u00dft eine gro\u00dfe L\u00fccke zwischen den umfangreichen, aber veralteten Standardwerken und den praxisbezogenen, aber kaum Wissen vermittelnden Ratgebern.<\/p>\n<p>Hoppes Malkunde bekommt meine uneingeschr\u00e4nkte Kaufempfehlung. Einen aktuelleren und besseren \u00dcberblick der wichtigen Materialien und Techniken in der Malerei gibt es nicht.<\/p>\n<h3>Kurt Wehlte: <strong><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/347348010X\">\u00d6lmalerei<\/a><\/strong><\/h3>\n<p>&#8220;Werkstoffe und Techniken der Malerei&#8221; ist nicht das einzige und auch nicht das erste Buch von Kurt Wehlte. Im Jahre 1928, gerade einmal 7 Jahre nach Doerners &#8220;Malmaterial&#8221;,\u00a0ver\u00f6ffentlichte er das kleine und fast in Vergessenheit geratene Buch mit dem Titel &#8220;\u00d6lmalerei&#8221;. Ein ungemein wertvolles\u00a0Buch f\u00fcr den Hobbyk\u00fcnstler und Anf\u00e4nger in der \u00d6lmalerei, mit rund 180 Seiten sogar im praktischen Ratgeberformat.\u00a0Es gibt von ihm aus der Reihe auch noch B\u00fccher zu Wasserfarben-, Tempera- und Wandmalerei.<\/p>\n<p>Wehlte brachte sein kleines Buch immer wieder auf den neuesten Stand. Ich habe hier die 12. Auflage von 1971.\u00a0Leider kann man das Buch nur antiquarisch erwerben, das Angebot ist aber ausreichend.\u00a0Die Monsterpalette auf dem Buchumschlag t\u00e4uscht: hier geht es nicht um bunte Farbklecksereien, sondern um solides Handwerk in der \u00d6lmalerei.<\/p>\n<p>Das Buch beschreibt zun\u00e4chst Malgr\u00fcnde, Farbmittel (Pigmente), Bindemittel und Malmittel vor. Kurz und knapp, aber und f\u00fcr jeden Hobbyk\u00fcnstler ausreichend. Im Abschnitt Techniken und Bildaufbau erhalten die Leser auf 15 Seiten alles Wissenswerte zum grunds\u00e4tzlichen Umgang mit dem Malmaterial. Anschlie\u00dfend werden auf 25 Seiten verschiedene Sujets und ihre technischen Besonderheiten erl\u00e4utert \u2013 keine Schritt-f\u00fcr-Schritt-Anleitung, sondern wertvolle Tipps und Hinweise, was jeweils zu beachten ist. Es folgen kurze Abschnitte \u00fcber das Kopieren (als Lernaufgabe will das heute ja kaum noch jemand machen), \u00fcber Firnis und Bildpflege und schlie\u00dflich \u00fcber &#8220;moderne&#8221; Lacktechniken \u2013 die waren\u00a01971 ja auch noch modern.<\/p>\n<p>Dieses kleine Buch ist eine erstklassige Einf\u00fchrung in die \u00d6lmalerei, \u00a0ich kann es jedem Anf\u00e4nger nur empfehlen.<\/p>\n<h2>Maltechniken<\/h2>\n<h3>Thomas Sello, Rainer M\u00fcller:<strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3926174781\/\">Nicht nur mit Pinsel und \u00d6l<\/a><\/strong><\/h3>\n<p>Ein Kunsthistoriker und ein K\u00fcnstler nehmen sich Werke in der Hamburger Kunsthalle vor und schreiben ein Buch \u00fcber das Handwerk der Malerei, \u00fcber scheinbar unfertige Bildteile, kuriose Pigmentherstellungen, raffinierte Maleffekte und obskure Hilfsmittel. Das h\u00f6rt sich nicht nur spannend an, das Ergebnis ist auch eine kurzweilige und spannende Reise durch die Maltechnik geworden. Wer seinen Wehlte in- und auswendig kennt, br\u00e4uchte sich dieses Buch eigentlich nicht zu kaufen, doch allein die Makroaufnahmen von unfertigen Gem\u00e4lden und illustrierender Bilddetails sind jeden Cent wert, das Buch kostet gebraucht weniger als die Geb\u00fchren im Parkhaus der Hamburger Kunsthalle.<\/p>\n<p>Das Buch bietet zwar keine konkreten Malanleitungen f\u00fcr bestimmte Techniken, aber jeder Hobbymaler kann sich anhand der sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlten Fotos davon \u00fcberzeugen, dass es mehr gibt als die Nass-in-Nass-Technik von Bob Ross.<\/p>\n<h3>Waldemar Janusczack (Hrsg.): <strong><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3881992871\/\">Maltechniken gro\u00dfer Meister<\/a><\/strong><\/h3>\n<p>Fast schon konkrete Malanleitungen gibt es dagegen im antiquarisch erh\u00e4ltlichen Buch aus dem Verlag\u00a0Pawlak. Das gro\u00dfformatige Werk stellt jeweils ein Gem\u00e4lde eines bekannten K\u00fcnstlers dar und beschreibt die Vorgehensweise der individuellen Malweise und des Bildaufbaus. Zu jedem Maler vom Giotto bis Hockney gibt es in der Regel vier Seiten mit detaillierten Fotos. Besonders aufschlussreich ist der bei fast allen Gem\u00e4lden gezeigte Ausschnitt in Originalgr\u00f6\u00dfe. Im heutigen Zeitalter digitalisierter, im Ausdruck briefmarkengro\u00dfer Abbildungen von wandf\u00fcllenden Gem\u00e4lden sind schon\u00a0diese Fotos ein echter Gewinn. Eine Hilfe f\u00fcr jeden Hobbyk\u00fcnstler sind auch die rekonstruierten Grafiken der Untermalungen und Farbschichten.<\/p>\n<p>Auch hier gilt nat\u00fcrlich, dass das geschriebene Wort des Buches nicht in allen Details das Evangelium historischer Maltechniken darstellen. Es ist aber f\u00fcr jeden Hobbymaler eine wunderbare Inspirationsquelle f\u00fcr technische Alternativen und\u00a0Experimente im Bildaufbau.<\/p>\n<h2>Englischsprachige B\u00fccher<\/h2>\n<h3>Ernst van de Wetering: <strong><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/0520258843\/\">Rembrandt: The Painter at Work<\/a><\/strong><\/h3>\n<p>Dieses Buch habe ich auch schon mal erw\u00e4hnt. Der Name Ernst van de Wetering ist seit vielen Jahren eng mit dem <em>Rembrandt Research Project<\/em> verbunden, das sind die mit den vielen Ab- und Zuschreibungen von Gem\u00e4lden des K\u00fcnstlers. Ich kenne niemanden, der sich mit historischen Maltechniken auseinandersetzt hat und <em>nicht<\/em> an\u00a0Rembrandts Maltechnik interessiert war. Mit Ausnahme von Jan van Eyck ist kein anderer K\u00fcnstler\u00a0derart vom Mythos\u00a0geheimer\u00a0Rezepturen\u00a0umgeben\u00a0wie der Sch\u00f6pfer der Nachtwache. &#8220;The Painter at Work&#8221; ist\u00a0ein grandioses Buch und eine klare Kaufempfehlung f\u00fcr jeden, der sich f\u00fcr die vermeintlichen Geheimnisse Rembrandts interessiert.<\/p>\n<p>Van de Weterings in allen Belangen schwergewichtiges Werk r\u00e4umt nicht nur mit zahlreichen Fehleinsch\u00e4tzungen auf, die wissenschaftlichen Ergebnisse und Erkenntnisse werden allgemein verst\u00e4ndlich erl\u00e4utert. Das Buch zu lesen macht Spa\u00df, van de Wetering kann schreiben, das empfinde ich sonst nur so bei B\u00fcchern von Gary Schwartz und vom verstorbenen Rembrandt-Experten Christian T\u00fcmpel.<\/p>\n<p>Der Leser erf\u00e4hrt man so ziemlich jedes Detail zu Rembrandts Malstil\u00a0und seiner\u00a0Werkstatt, zu den Bildtr\u00e4gern, zu vorbereitenden Zeichnungen und Skizzen, zur Pinselunterzeichnung und Untermalung, zu den verwendeten Farb- und Bindemitteln und zur Problematik der Zuschreibungen auf Grund der \u00fcblichen Werkstattpraxis im 17. Jahrhundert.<\/p>\n<h3>Brown, Garrido: <strong><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/0300101244\/\">Velazquez: The Technique of Genius<\/a><\/strong><\/h3>\n<p>Zu diesem K\u00fcnstler m\u00fcsste ich eigentlich das Buch &#8220;<a href=\"http:\/\/books.google.de\/books\/about\/Examining_Vel\u00e1zquez.html?id=SRSLQgAACAAJ&amp;redir_esc=y\">Examing\u00a0Vel\u00e1zquez<\/a>&#8221;\u00a0vorstellen, an dem meine damalige Ausbilderin, die Restauratorin\u00a0Greta Andersen-Bergdoll, mitgearbeitet hat. Ich habe ihr vor allem die Kunst des maltechnischen &#8220;Bildersehens&#8221; und meinen ersten professionellen Kopie-Auftrag\u00a0zu verdanken. Als ich 1989 in ihr Bonner Restaurierungsatelier eintrat, hatte die geb\u00fcrtige Bornholmerin eine internationale Karriere hinter sich: Krakau, Harvard University, private Konservatorin f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/hammer.ucla.edu\/collections\/armand-hammer-collection\">Kunstsammlung<\/a> von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Armand_Hammer\">Armand Hammer<\/a>, dann der Prado in Madrid. Sie geh\u00f6rte zum Restaurierungsteam, das in den 80er Jahren &#8220;Las Meninas&#8221; von Vel\u00e1zquez\u00a0reinigte und umfangreichen maltechnischen Untersuchungen unterzog. Allein, das Buch als Dokumentation der damals international viel diskutierten Reinigung ist sehr technisch und als Empfehlung nicht einmal f\u00fcr ambitionierte K\u00fcnstler geeignet.<\/p>\n<p>Das Buch von Jonathan Brown und Carmen Garrido ist keine wissenschaftliche Dokumentation, bez\u00fcglich der Maltechnik des gro\u00dfen Spaniers kommt es nicht einmal an van de Weterings detaillierte Beitr\u00e4ge heran. Es ist dennoch eine klare Kaufempfehlung wert. Brown ist Kunsthistoriker an der New Yorker Universit\u00e4t, Garrido ist Restauratorin am Prado in Madrid.<\/p>\n<p>Das Buch beginnt mit einem kurzen Kapitel zu Leben und Umfeld von\u00a0Vel\u00e1zquez, das zweite und ebenfalls recht kurze Kapitel beschreibt Material und Maltechnik seiner Gem\u00e4lde. Das alles ist bis Seite 20 abgefr\u00fchst\u00fcckt. Auf den dann folgenden 90 Seiten werden insgesamt 30 Gem\u00e4lde detailliert vorgestellt und die maltechnischen Besonderheiten beschrieben. Abbildungen in Originalgr\u00f6\u00dfe fehlen, es werden daf\u00fcr erstklassige und zahlreiche Makroaufnahmen gezeigt.<\/p>\n<p>Das Problem von Makroaufnahmen ist der Reiz einer impressionistischen\u00a0Wirkung. Allzu gern vergisst man dabei die Tatsache, das die \u00fcber zwei mal drei Meter\u00a0messenden Bilder bereits einen Betrachtungsabstand von mehreren Metern einkalkulierten. Die Wirkung von Makroaufnahmen ist deshalb so reizvoll, weil wir mit den uns umgebenden Monets und van Goghs l\u00e4ngst gelernt haben, den sichtbare Malduktus nicht mehr als st\u00f6rend zu empfinden. Rembrandt galt da bei den Feinmalereivertretern noch als Schmierlappen, auch Turner wurde in einer Karikatur mit einem Feudel in der Hand vor der Staffelei dargestellt. Klar ist auch: Mit dem richtigen Makroobjektiv macht man selbst aus Jan van Eyck einen Grobmotoriker.<\/p>\n<p>Vel\u00e1zquez&#8217; Bilder geh\u00f6ren bis auf wenige Ausnahmen nicht gerade zu den Favoriten der Deutschen. Wahrscheinlich sind die Themen des Hofmalers von Phillip IV zu h\u00f6fisch und zu katholisch, au\u00dferdem zeigen\u00a0die zahlreichen Portraits des K\u00f6nigs ja nicht gerade einen George Clooney des 17. Jahrhunderts.\u00a0&#8220;The Technique of Genius&#8221; demonstriert aber in perfekter Weise, dass\u00a0Vel\u00e1zquez mindestens so innovativ in seiner Technik war wie sein um sieben Jahre j\u00fcngerer Zeitgenosse Rembrandt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zeitalter der Z\u00fcnfte dauerte die kostenpflichtige Lehrzeit f\u00fcr Maler etwa 12 Jahre, inklusive der so genannten Wanderjahre. 12 Jahre betrug auch das durchschnittliche Alter der Lehrlinge beim Eintritt in die Werkstatt. Die ersten Jahre verbrachte der Lehrling mit Zeichnen (und vermutlich mit Bier holen). 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