{"id":1027,"date":"2013-09-18T13:51:32","date_gmt":"2013-09-18T13:51:32","guid":{"rendered":"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/?p=1027"},"modified":"2025-07-27T19:01:32","modified_gmt":"2025-07-27T19:01:32","slug":"bob-ross-kunst-als-happy-little-accident","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/2013\/09\/bob-ross-kunst-als-happy-little-accident\/","title":{"rendered":"Bob Ross: Kunst als &#8220;happy accident&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong> Wenn es darum geht, wie man Farben aus der Tube auf eine Leinwand bringen kann, wie man eine Landschaft malen oder wie man Malerei \u00fcberhaupt lernen soll, taucht aus dem Ozean der Antworten, Diskussionen und Er\u00f6rterungen irgendwann und unweigerlich auch der Name Bob Ross auf.<\/strong><\/p>\n<p>Die Reaktionen auf die Nennung des Namens als differenziert zu bezeichnen, w\u00e4re eine Untertreibung. F\u00fcr viele Hobbyk\u00fcnstler ist er ein Messias mit der frohen Botschaft: Malerei als Paradies auf Erden, frei von Fehlern und frei vom zerfressendem Fegefeuer k\u00fcnstlerischer Selbstzweifel. F\u00fcr andere Hobbyk\u00fcnstler ist er gerade deshalb eher ein Voldemort der Malerei, da reicht ein lapidares &#8220;happy little clouds&#8221; als Synomym f\u00fcr &#8220;Du-weisst-schon-wer&#8221;, in Foren oder Gespr\u00e4chen begleitet von Sarkasmus.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Frage &#8220;Was halten Sie denn von Bob Ross?&#8221; verursacht bei ernsthaften Kunst- und Kulturschaffenden blankes Entsetzen, als w\u00fcrde man einen kurz vor der Rente stehenden Vier-Sterne-Koch fragen, ob er sein Restaurant nicht einfach an Ronald McDonald \u00fcbertragen k\u00f6nne.<\/p>\n<h2>Warum Bob Ross?<\/h2>\n<p>Die Motivation f\u00fcr diesen und den vorherigen Beitrag war die Frage bei Facebook, was ich denn von Bob Ross halten w\u00fcrde, die ich mit einem <em>&#8220;Grau-En-Haft!&#8221;<\/em> beantwortet hatte, nicht ohne Ank\u00fcndigung, eine ausf\u00fchrliche Erl\u00e4uterung zu schreiben. Ich l\u00f6se hier also ein Versprechen ein.<\/p>\n<p>In meinem Beitrag &#8220;<a title=\"Kunst der Massen, Kunst der Eliten\" href=\"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/2013\/08\/kunst-der-massen-kunst-der-eliten-erster-teil\/\">Kunst der Massen, Kunst der Eliten<\/a>&#8221; habe ich versucht, die Bedeutung der subjektiven Wahrnehmungen, Erkenntnisse und Urteile f\u00fcr den Kunstbegriff hervorzuheben und zu erl\u00e4utern. Bob Ross wurde dort bereits erw\u00e4hnt und kommt nicht besonders gut weg, aber die Freunde der kleinen fr\u00f6hlichen Wolken m\u00fcssen zugeben, dass ich meine Abneigung zugunsten einer m\u00f6glichst wertfreien Er\u00f6rterung nicht hervorgehoben habe.<\/p>\n<p>Bob-Ross Malerei: ein sch\u00f6nes Hobby? Ja, bestimmt. Selbstgemaltes als Alternative zu Selbstgebasteltem? Warum nicht. Zur Abwechslung keine Mini-Tonis aus Blument\u00f6pchen bauen, sondern nach Anleitung ein paar sch\u00f6ne Bilder malen? Nur zu.<\/p>\n<p>Bob Ross ist ein Maler, der Menschen auf der Suche nach einer Freizeitbesch\u00e4ftigung an die Staffelei bringt. Er versteht es zu motivieren und zeigt eine Maltechnik, die schnell und ohne Vorkenntnisse erlernt werden kann.<\/p>\n<p>Mit Kunst hat das aber nichts zu tun. Und das nicht nur, weil Kunst nichts mit Freizeitbesch\u00e4ftigung zu tun hat. Das, was da auf die Leinwand gebracht und vom Unternehmen Bob Ross Inc. f\u00fcr gutes Geld vermarktet wird, ist selbst unter gr\u00f6\u00dften Qualen jeglicher Kompromissbereitschaft bestenfalls als anleitungsbew\u00e4hrte Hobbymalerei zu bezeichnen. Den Marktteilnehmern ist das freilich egal. Bob Ross ist dank einer raffinierten Marketingstrategie nicht nur eine Art Promi f\u00fcr seine Anh\u00e4nger und Freunde, er ist auch ein wichtiger Garant f\u00fcr gute Ums\u00e4tze in der Kreativ- und Bastelbranche.<\/p>\n<p>Klar ist nur: selbst in der bescheidensten Provinzgalerie haben er und seine Epigonen nichts zu suchen, au\u00dfer, es werden dort fairerweise auch Salzteig-, Fymo- und Mini-Toni-K\u00fcnstler ausgestellt. Bob Ross ist in der Kunst das, was die Groschenheftchen in der Literatur sind: der kurze, schnelle Konsum des kleinen Gl\u00fccks. Das darf, das soll er auch bleiben.<\/p>\n<h2>Einspruch und Verteidigung<\/h2>\n<p>Es gibt durchaus stichhaltige und gute Argumente <em>f\u00fcr<\/em> Bob Ross, die liegen allerdings\u00a0jenseits dessen, was mit dem Begriff <em>Kunst<\/em> in Verbindung gebracht wird. Betrachtet man sich die Videos, so ist dem Mann mit Riesenpalette und Minipli-Frisur eine gewisse meditativ-einlullende Qualit\u00e4t nicht abzusprechen.\u00a0Im Gegensatz zu den Neujahrsansprachen deutscher Regierungschefs vermag Bob Ross aber zu inspirieren. Die Entstehung einer Winter- Sonnenuntergangs- oder Berglandschaft wird den \u00e4rgsten Pessimisten f\u00fcr die Dauer der Sendung Frieden mit der Welt schlie\u00dfen lassen.\u00a0Die sch\u00f6nste und f\u00fcr mich \u00fcberzeugendste Legitimation stammt von einer Webentwicklerin als Kommentar zur Facebook-Diskussion:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;F\u00fcr mich ist Bob Ross Inspiration beim Kochen. Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon, wenn du Knobi magst, nimm ein bisschen mehr davon, wenn nicht, lass ihn weg. Es ist dein Essen, es gibt beim Kochen keine Fehler, nur happy little accidents. Wenn du magst, darf hier ein Str\u00e4u\u00dfchen Petersilie wohnen. Oder zwei.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Herrlich. Die Ank\u00fcndigung einer Rezeptesammlung in ihrem Blog unter einer Rubrik &#8220;Happy little recipes&#8221; werde ich mit gro\u00dfem Interesse weiter verfolgen.\u00a0Damit genug der Verteidigung.<\/p>\n<h2>So sch\u00f6n bunt hier!<\/h2>\n<p>Kunstwissenschaft mag zwar keine exakte Wissenschaft sein, aber mit <em>Geschmack<\/em> hat Kunst auch nichts zu tun, anderenfalls k\u00f6nnte man die Geschichte gemalter Bilder in bedeutende <em>Geschmackskunst<\/em> und unbedeutende <em>Nichtgeschmackskunst<\/em> unterteilen. Das Ergebnis w\u00e4re furchtbar.\u00a0Bob Ross&#8217; Erfolge setzen aber ein Bildersehen voraus, das sich in der Zeit, als er mit seiner Malerei an die \u00d6ffentlichkeit trat, als Kunstauffassung in allen Gesellschaftsschichten l\u00e4ngst durchgesetzt hatte. Was er daraus machte, war eine Malerei der kleinsten gemeinsamen Nenner von gespeicherten Bildwahrnehmungen \u2013 bezogen auf seine Motivwahl also das, was uns zum Thema Winterlandschaft, Sonnenuntergang, Berge, Wald, Blumen und Natur allgemein\u00a0in den Sinn kommt, beziehungsweise deren typische Attribute.<\/p>\n<p>Seit Ende des 18. Jahrhunderts, sp\u00e4testens aber seit der Romantik zu Beginn des 19. begann sich das Selbstverst\u00e4ndnis der Kunst von der reinen handwerklichen Technik der Naturnachahmung zu trennen. Schon bei <a href=\"http:\/\/nixwiekunst.wordpress.com\/2013\/05\/14\/gainsborough-2\/\">Gainsborough<\/a>, sp\u00e4testens bei <a href=\"http:\/\/nixwiekunst.wordpress.com\/2011\/05\/25\/john-constables-wolken\/\">Constable<\/a> und in der st\u00e4rksten Auspr\u00e4gung bei <a href=\"http:\/\/nixwiekunst.wordpress.com\/2011\/12\/19\/william-turner\/\">Turner<\/a> wird das deutlich (die hier verlinkten Texte sind wie der gesamte <a href=\"http:\/\/nixwiekunst.wordpress.com\/\">Blog<\/a> \u00fcbrigens immer wieder eine virtuelle Reise wert). Was zun\u00e4chst als Gef\u00fchlsausdruck begann, entwickelte sich im weiteren 19. Jahrhundert zur endg\u00fcltigen Trennung der Technik vom Sujet. Das Eigenleben des Farbmaterials wurde Teil des k\u00fcnstlerischen Ausdrucks. Am Ende dieser Entwicklung steht die klassische Moderne.<\/p>\n<div id=\"attachment_1063\" style=\"width: 195px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/quillebeuf-at-the-mouth-of-seine.jpgHalfHD.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1063\" class=\"size-medium wp-image-1063 \" title=\"J. M. William Turner: &quot; Quillebeuf, an der M\u00fcndung der Seine&quot;, 1833\" src=\"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/quillebeuf-at-the-mouth-of-seine.jpgHalfHD-185x143.jpg\" alt=\"Gem\u00e4lde von Turner\" width=\"185\" height=\"143\" srcset=\"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/quillebeuf-at-the-mouth-of-seine.jpgHalfHD-185x143.jpg 185w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/quillebeuf-at-the-mouth-of-seine.jpgHalfHD-150x116.jpg 150w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/quillebeuf-at-the-mouth-of-seine.jpgHalfHD-1024x792.jpg 1024w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/quillebeuf-at-the-mouth-of-seine.jpgHalfHD-624x482.jpg 624w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/quillebeuf-at-the-mouth-of-seine.jpgHalfHD.jpg 1034w\" sizes=\"auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1063\" class=\"wp-caption-text\">J. M. William Turner: &#8221; Quillebeuf, an der M\u00fcndung der Seine&#8221;, 1833<\/p><\/div>\n<p>Die Bilderflut der Medien, mit der wir t\u00e4glich konfrontiert werden, hat sich dieser klassischen Moderne schon vor Jahrzehnten angenommen und ihre Bildsprache massentauglich gemacht, vorwiegend zu merkantilen Zwecken. Impressionisten und Neoimpressionisten geh\u00f6ren mit ihrer starken Farbigkeit und dem sichtbaren Pinselduktus schon lange und in allen Gesellschaftsschichten zu den erlernten Sehgewohnheiten.<\/p>\n<p>Man kann auch sagen: was schon aus der Welt der Plakate, der Werbeanzeigen oder des Produktdesigns bekannt war und dann als Kunst aus dem Baumarkt ins Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer wanderte, war nicht mehr an an eine selbsternannte kulturelle Elite gebunden, sondern entsprach einem gesellschaftlichen Konsens bez\u00fcglich des Begriffes Kunst. Dieser Konsens, zu dem Monet, van Gogh oder Franz Marc geh\u00f6rte, war die Grundlage und Voraussetzung f\u00fcr die Massentauglichkeit von Bob Ross. Das gilt gleicherma\u00dfen f\u00fcr die Sujets seiner Bilder, f\u00fcr die Nass-in-Nass-Technik und f\u00fcr die Didaktik seiner Malkurse.<\/p>\n<h3>Die Erhabenheit der Landschaft<\/h3>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, dass die Technik von Bob Ross nur bestimmte Sujets zul\u00e4sst, basieren gerade die stimmungsvoll-bonbons\u00fc\u00dfen Landschaften nicht nur auf Motiven der Postkartenidylle, sondern auch auf den Traditionen der sogenannten &#8220;<a href=\"http:\/\/nixwiekunst.wordpress.com\/2011\/05\/25\/thomas-cole\/\">Hudson-River-School<\/a>&#8220;, vor allem aus dem Repertoire von <a href=\"http:\/\/nixwiekunst.wordpress.com\/2012\/01\/07\/albert-bierstadt\/\">Albert Bierstadt<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"http:\/\/www.fredericedwinchurch.org\/\">Frederic Edwin Church<\/a>.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen Romantiker sahen die Landschaft vorwiegend als Metapher f\u00fcr das G\u00f6ttliche, in das der Mensch mit seinen N\u00f6ten und Hoffnungen eingebunden war. Die etwas j\u00fcngere amerikanische Kunst des 19. Jahrhunderts geht einher mit der Eroberung des Westens. Zusammen mit der \u00dcberzeugung, ein gelobtes Land gefunden zu haben, erhielt &#8220;God&#8217;s own country&#8221; in der Landschaftsmalerei neben der religi\u00f6sen auch eine national-patriotische Komponente.<\/p>\n<div id=\"attachment_1036\" style=\"width: 195px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/frederic-edwin-church-our-banner-in-the-sky.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1036\" class=\"size-medium wp-image-1036 \" title=\"Frederic Edwin Church (zugeschr.): &quot;Our flagg in the sky&quot;\" src=\"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/frederic-edwin-church-our-banner-in-the-sky-185x119.jpg\" alt=\"US-amerikanische Flagge als Abendhimmel\" width=\"185\" height=\"119\" srcset=\"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/frederic-edwin-church-our-banner-in-the-sky-185x119.jpg 185w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/frederic-edwin-church-our-banner-in-the-sky-150x96.jpg 150w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/frederic-edwin-church-our-banner-in-the-sky-1024x658.jpg 1024w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/frederic-edwin-church-our-banner-in-the-sky.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1036\" class=\"wp-caption-text\">Frederic Edwin Church (zugeschr.): &#8220;Our flagg in the sky&#8221;, 1861<\/p><\/div>\n<p>W\u00e4hrend der Mensch in der Malerei von Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus oder Johann Christian Clausen Dahl eine Relevanz beh\u00e4lt, sind viele Landschaften der Hudson River School menschenleer. Die Landschaft selbst wird zum Synonym f\u00fcr den amerikanischen Traum: eine Nation unter Gott. Nationalstolz und Patriotismus, das stimmt schon, waren auch den Romantikern nicht unbekannt. Das gilt besonders f\u00fcr William Turner und Friedrich malte angesichts der Befreiungskriege und den Entt\u00e4uschungen der anschlie\u00dfenden Restauration ein melancholisches Gem\u00e4lde mit dem Titel &#8220;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Huttens_Grab\">Huttens Grab<\/a>&#8220;. Doch weder ihm noch Turner w\u00e4re es in den Sinn gekommen, eine Flagge bildf\u00fcllend als patriotischen Abendhimmel darzustellen, wie es (vermutlich) Frederic Edwin Church 1861 getan hat.<\/p>\n<p>Nicht umsonst spielt die Religiosit\u00e4t auch bei Ross eine gro\u00dfe Rolle, der seine Zuschauer am Ende fast jeder Sendung mit einem &#8220;God bless, my friend&#8221; verabschiedet.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der Behandlung des Malmaterials ist vor allem die starke Farbigkeit seiner Nachsch\u00f6pfungen im Vergleich zu den Originalen der Hudson River School auff\u00e4llig.\u00a0Diese Farbigkeit beruht auf den bereits erw\u00e4hnten, etablierten Sehgewohnheiten des Massenpublikums. Bob Ross \u00fcbertr\u00e4gt also die impressionistische und neoimpressionistische Behandlung des Malmaterials auf alte Bildtraditionen. Man kann das bereits mit ein paar simplen Arbeitsg\u00e4ngen mittels Photoshop simulieren: nicht bei der S\u00e4ttigung sparen, noch ein wenig Preussischblau, zuletzt ein paar fr\u00f6hliche Hervorhebungen: Voil\u00e0!<\/p>\n<div id=\"attachment_1040\" style=\"width: 195px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1040\" class=\"size-medium wp-image-1040 \" title=\"Albert Bierstadt, Bergszene\" src=\"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene-185x130.jpg\" alt=\"Albert Bierstaedt\" width=\"185\" height=\"130\" srcset=\"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene-185x130.jpg 185w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene-150x106.jpg 150w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene-1024x723.jpg 1024w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1040\" class=\"wp-caption-text\">Albert Bierstadt, Bergszene, ca. 1879<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_1072\" style=\"width: 195px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene_br_psd.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1072\" class=\"size-medium wp-image-1072\" src=\"http:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene_br_psd-185x130.jpg\" alt=\"Gem\u00e4lde von Albert Bierstadt, bearbeitet mit Photoshop\" width=\"185\" height=\"130\" srcset=\"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene_br_psd-185x130.jpg 185w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene_br_psd-150x106.jpg 150w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene_br_psd-1024x723.jpg 1024w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene_br_psd-624x441.jpg 624w, https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/mountain-scene_br_psd.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1072\" class=\"wp-caption-text\">Albert Bierstadt, bearbeitet mit Photoshop<\/p><\/div>\n<p>Zur Perfektion dieser Bildauffassung brachte es freilich ein anderer US-amerikanischer Maler, der f\u00fcr seine Bilder l\u00e4nger als 25 Minuten ben\u00f6tigte, den Kitschfaktor damit aber auch bis ins Schmerzhafteste potenzierte. <a href=\"http:\/\/www.thomaskinkade.com\/magi\/servlet\/com.asucon.ebiz.catalog.web.tk.CatalogServlet?catalogAction=ArtHome\">Thomas Kinkade<\/a> brachte das auf die Leinwand, was wir bislang nur w\u00e4hrend der allj\u00e4hrlichen, laut Einzelhandel im September\u00a0beginnenden Adventszeit auf zahllosen Lebkuchenverpackungen, Schokoladenkalendern und Weihnachtskarten als Motive ertragen mussten.<\/p>\n<h2>2-Zoll-Pinsel und Spachtel<\/h2>\n<p>Bob Ross hat seine Maltechnik nicht erfunden. Gelernt hat er sie von William &#8220;Bill&#8221; Alexander (1915-1997), einen geb\u00fcrtigem Deutschen, der am Ende des Krieges in die USA auswanderte, dort diese Technik entwickelte und schon vor Bob Ross mittels Fernsehaufnahmen popul\u00e4r machte.<\/p>\n<p>Grundlage ist eine auf den Effekt fokussierten Technik, die Bilder werden in einem Arbeitsgang fertiggestellt. Vorzeichnungen kommen nur bei wenigen Motiven zum Einsatz, Untermalungen dienen nur bei den &#8220;Wildlife&#8221;-Motiven als zus\u00e4tzliche Hilfe. Die bei ihm als Nass-in-Nass-Technik bezeichnete Alla-Prima-Technik ist ihrer Natur nach die anspruchsvollste Methode, da der Maler nicht nur den Hell-Dunkel-Tonwert, sondern auch den Farbton genau treffen muss. Meister dieser Technik waren beispielsweise Adolph von Menzel oder Wilhelm Leibl.<\/p>\n<p>Ross gibt bez\u00fcglich des Malmaterials deshalb genaue Vorgaben, um die Hobbymaler nicht verzweifeln zu lassen. Maximal drei Farbt\u00f6ne werden f\u00fcr einzelne Bildbereiche gemischt, auf feine Differenzierungen muss verzichtet werden. Die Technik dient nur dem Zweck, das Motiv im Sinne des Betrachters eindeutig wiederzugeben. Dieser Aha-Effekt l\u00e4sst den Werdegang zum Endergebnis vollkommen in den Hintergrund treten. Genau das ist freilich gewollt und bekannt: die Kaufhauskunst muffiger M\u00f6belh\u00e4user zeigte in den 70er und 80er Jahren zahllose halb nackte S\u00fcdl\u00e4nderinnen, trinkende M\u00f6nche, Berglandschaften oder bunte Blumen. Eine m\u00f6glichst effektvolle Darstellung von Bekanntem ist das Ziel, man darf auch sagen: der Knalleffekt.<\/p>\n<p>Mit Genie, Wundern oder Mysterien hat diese Malerei nichts zu tun, eher mit erlernten Handgriffen, die, das muss man schon zugeben, f\u00fcr die leichte Nachvollziehbarkeit sorgf\u00e4ltig erarbeitet sind. Unsere Wahrnehmung kann gar nicht anders, als beispielsweise einige mit dem Spachtel schr\u00e4g gesetzte Titanweissfl\u00e4chen auf aneinandergereihten dunkelblauen Dreiecken vor einem hellblauen Hintergrund als den schneebedeckten Gebirgskamm wahrzunehmen. Der Betrachter glaubt an ein Wunder oder zumindest an ein gro\u00dfes Talent des Sch\u00f6pfers, dabei ist es nichts anderes als eine altbekannte und jederzeit reproduzierbare Wirkung von Farben und Tonwerten. Die Knalleffekte des Spachtels machten auch <a href=\"http:\/\/www.kunstnet.at\/hassfurther\/mulley_top.html\">Oskar Mulley<\/a> bekannt, der wohl mehr Berglandschaften malte als Malewitsch schwarze Quadrate.<\/p>\n<h2>F\u00fcnfundzwanzig<\/h2>\n<p>Den gro\u00dfen Erfolg von Bob Ross nur auf eine gute Marketingstrategie reduzieren zu wollen, w\u00e4re kurzsichtig und realit\u00e4tsfern. Erfolgreich ist Bob Ross vor allem deshalb, weil er jedem, der ihm folgen m\u00f6chte, eine Garantie bietet: die Garantie, dass jeder sch\u00f6ne Bilder malen kann, ohne Vorwissen und ohne jahrelange \u00dcbung. Und er zeigt es Schritt f\u00fcr Schritt in zahlreichen Videos auf den Fernsehbildschirmen zuhause, in den Bastelst\u00fcbchen und zahllosen Hobbym\u00e4rkten: 25 Minuten f\u00fcr ein Meisterwerk. Bob Ross erf\u00fcllt in seinen Videos den Wunsch eines jedes Hobbyisten, der nach schnellen und einfachen L\u00f6sungen sucht. Er ist damit zum Schutzpatron der Instant-Gesellschaft geworden, die Fachwissen, Kunstfertigkeit und vermeintliche Meisterschaft mit dem geringstm\u00f6glichen Aufwand, also in k\u00fcrzestm\u00f6glicher Zeit erreichen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Befolgt man seine Anleitung ohne Abweichungen, ist es wirklich einfach, Motiv, Stil und Technik genau zu kopieren. Ich habe das spa\u00dfeshalber getan, und tats\u00e4chlich sah mein Bild fast genauso aus wie das Ergebnis aus der Fernsehsendung. Zumindest so lange, bis es entsorgt war.<\/p>\n<p>Man kann auch sagen, Bob Ross&#8217; Maltechnik ist ein <em>Trick<\/em>. Die J\u00fcnger und Anh\u00e4nger von Bob Ross betonen stets, dass die Technik nicht mit Malen nach Zahlen zu vergleichen ist. Von der Hand zu weisen ist diese Kritik nicht. Vergleichbar ist die Technik der festen Regeln aber mit den Tricks von Schnellmalern, denen noch immer der Applaus eines Medienspektakels sicher ist.<\/p>\n<h2>Technische Konventionen und Kunst<\/h2>\n<p>Anleitungen f\u00fcr die Malerei sind keine Erfindung von Bob Ross. Vorlagenb\u00fccher gab es schon zu Beginn der Neuzeit, selbst bei Rembrandt lassen sich derartige Konventionen rekonstruieren. Auch der Naturalismus der griechischen Antike beruht nicht ausschlie\u00dflich auf einem immer genauerem Naturstudium, sondern ebenso auf der stetigen Weiterentwicklung tradierter Darstellungsnormen, an deren Ende erst die perfekte Mimesis, die Nachahmung der Natur, stand.<\/p>\n<p>Wenn nun sogar D\u00fcrer, Rembrandt und Rubens nach \u00fcberlieferten Konventionen zur Umsetzung bildnerischer Aufgaben und figurativer Elemente gearbeitet haben, was spricht dann gegen Bob Ross als K\u00fcnstler und gegen seine Konventionen als Kunst?<\/p>\n<p>Die Antwort ist leicht: F\u00fcr einen K\u00fcnstler sind Techniken und Normen unverbindliche Wege zum Ziel und damit nur Mittel zum Zweck. Gro\u00dfe K\u00fcnstler haben sich nicht nur verschiedener Konventionen bedient und ihre Maltechnik beherrscht, sie haben diese Techniken und Konventionen v\u00f6llig individuell, frei und immer den Erfordernissen ihrer Motive und Bildaussage entsprechend eingesetzt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Bob Ross und seine Anh\u00e4nger ist die Technik nicht nur die Grundlage, sondern fester Bestandteil des Motivs. Jede Landschaft ist an eine bestimmte, festgelegte Technik gebunden. Unerfahrene Hobbymaler scheitern unweigerlich, wenn sie versuchen, ein Portrait oder ein nicht im Bob-Ross-Repertoire vorhandenes Motiv nach dieser Methode umzusetzen. Die Individualit\u00e4t des k\u00fcnstlerischen Ausdrucks und der eingesetzten Technik steht der Bob-Ross-Methode entgegen. Es ist deshalb auch nahezu unm\u00f6glich, einzelne Bob-Ross-Sch\u00fcler anhand ihrer Werke von anderen zu unterscheiden. Bevor nun jemand den Finger hebt und auf die Zuschreibungsprobleme von Rembrandt und seinen nach gleichem Prinzip der Techniktreue funktionierenden Werkstattbetrieb kommt: die Sch\u00fclerarbeiten wie &#8220;Der Mann mit dem Goldhelm&#8221; zeigen bei aller technischen \u00c4hnlichkeit mit Rembrandt individuelle Unterschiede und vor allem individuelle Motive, keine Nachsch\u00f6pfungen. So sind selbst \u2013 hier Epigonen genannte \u2013 Sch\u00fcler von Bob Ross nichts anderes als austauschbare Kopisten, die nur sklavisch einer erlernten Technik folgen.<\/p>\n<h2>Malerei vs. Kunst<\/h2>\n<p>Am Ende bleibt die Frage, ob sich Bob Ross selbst als gro\u00dfer oder gar verkannter K\u00fcnstler gesehen hat, oder ob er in seiner Nische einfach nur seiner Malerei fr\u00f6nen wollte, gleich dem harmlosen Hobbymaler mit seiner Feldstaffelei, der im Park oder vor der Bergkulisse das Gesehene auf die Leinwand zu bannen sucht.<\/p>\n<p>Seine Werke, die nicht vor der Kamera entstanden sind, zeigen schon Differenzierungen, das ist wahr. Dennoch ist davon auszugehen, dass er Malerei nicht als Aufgabe betrachtete, die k\u00fcnstlerische Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit zu suchen. Er war also ein <em>Maler<\/em>. Kein <em>K\u00fcnstler<\/em>. Wenn \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Was Karl Kraus einen &#8220;Tonfallschwindel&#8221; nannte, gilt in blidnerischer Hinsicht auch f\u00fcr Bob Ross. Seine Malerei ist vergleichbar mit dem sch\u00f6nen Schein der idyllischen Bauernhofromantik auf den Verpackungen von Lebensmitteln, die schon seit Jahrzehnten l\u00e4ngst keinem Bauernhof mehr entstammen, sondern in gro\u00dfen Fabriken als Massenproduktion am Flie\u00dfband unter k\u00fcnstlichem Neonlicht hergestellt werden.<\/p>\n<p>Dass auch K\u00fcnstler der Versuchung anheimfallen k\u00f6nnen, allzu sorglos mit bequemen Mitteln ihr Gl\u00fcck zu suchen, zeigen genug Beispiele der Kunstgeschichte. Der bekannteste unter ihnen ist sicher <a href=\"http:\/\/thedali.org\/exhibits\/current-highlights.php\">Salvador Dal\u00ed<\/a>, dessen Bilder nicht nur seine typische Feinmalerei zeigen, sondern seit den 60er Jahren auch immer wiederkehrende formale Stilmittel. Dazu sind auch zahllose, heute zu recht vergessene Vertreter des so genannten Informel zu z\u00e4hlen, oder auch K\u00fcnstler wie <a href=\"http:\/\/www.ludorff.com\/de\/artist\/serge_poliakoff\/works\">Serge Poliakoff<\/a> oder <a href=\"http:\/\/museebernardbuffet.com\/en6170.html\">Bernard Buffet<\/a>, Epigonen gr\u00f6\u00dferer Vorbilder, die ihre kurzen Erfolge nur einer banalen Bedienung aktueller Trends des Kunstmarkts zu verdanken hatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es darum geht, wie man Farben aus der Tube auf eine Leinwand bringen kann, wie man eine Landschaft malen oder wie man Malerei \u00fcberhaupt lernen soll, taucht aus dem Ozean der Antworten, Diskussionen und Er\u00f6rterungen irgendwann und unweigerlich auch der Name Bob Ross auf. Die Reaktionen auf die Nennung des Namens als differenziert zu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,12,6],"tags":[],"class_list":["post-1027","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-kunst-und-wahrnehmung","category-maltechnik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1027","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1027"}],"version-history":[{"count":63,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1027\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1470,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1027\/revisions\/1470"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pookerart.de\/kunstblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}