Kategorie-Archiv: Maltechnik

Bob Ross: Kunst als „happy little accident“

Wenn es darum geht, wie man Farben aus der Tube auf eine Leinwand bringen kann, wie man eine Landschaft malen oder wie man Malerei überhaupt lernen soll, taucht aus dem Ozean der Antworten, Diskussionen und Erörterungen irgendwann und unweigerlich auch der Name Bob Ross auf.

Die Reaktionen auf die Nennung des Namens als differenziert zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. Für viele Hobbykünstler ist er ein Messias mit der frohen Botschaft: Malerei als Paradies auf Erden, frei von Fehlern und frei vom zerfressendem Fegefeuer künstlerischer Selbstzweifel. Für andere Hobbykünstler ist er gerade deshalb eher ein Voldemort der Malerei, da reicht ein lapidares „happy little clouds“ als Synomym für „Du-weisst-schon-wer“, in Foren oder Gesprächen begleitet von Sarkasmus.

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Das Handwerk der Malerei: Buchempfehlungen für Künstler

Im Zeitalter der Zünfte dauerte die kostenpflichtige Lehrzeit für Maler etwa 12 Jahre, inklusive der so genannten Wanderjahre. 12 Jahre betrug auch das durchschnittliche Alter der Lehrlinge beim Eintritt in die Werkstatt. Die ersten Jahre verbrachte der Lehrling mit Zeichnen (und vermutlich mit Bier holen). Erst als Geselle durfte er Pigmente anreiben und die Paletten vorbereiten. Die Malpraxis beschränkte sich dann auf das Kopieren und Adaptieren bestehender Gemälden. Diese Praxis der Adaption im Stil einer Werkstatt galt auch für die anschließenden Wanderjahre, der „eigene Stil“ wurde in der Regel also erst nach dem Ende der langen Ausbildungszeit entwickelt.

Wer heutzutage die Ölmalerei erlernen will, besucht eine regionale Volkshochschule oder blickt einem Künstler über die Schulter. Andere sehen sich Videos im Internet an oder kaufen mehrstündige Lernfilme auf DVD. Das größte Angebot gibt es aber immer noch als Ratgeber in Buchform.

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Doerners Mischtechnik: Der verharzte Mythos

1921 veröffentlichte Max Doerner sein Buch Malmaterial und seine Verwendung im Bilde, das bis heute bekannteste Kompendium zur Technik der Malerei für angehende Künstler, Hobbymaler und Restauratoren. Bei mir steht noch immer die 16. Auflage aus dem Jahre 1986, für die ich damals lange sparen musste. Die aktuelle Auflage kenne ich nicht, immerhin zeugt der Name von Restaurator Thomas Hoppe von einem glücklichen Händchen des Verlags für eine vermutlich zeitgemäße, auf jeden Fall aber kompetente Überarbeitung.

Doerner war selbst Künstler, ein Praktiker also. Es ist bezeichnend, dass sein Buch mit über 280 reinen Textseiten niemals als „Ratgeber“ vermarktet wurde. Mit den 100-seitigen Bilderbüchern aus der Praxis-Malerei-Fraktion in den Läden für Künstlerbedarf hat das Buch nämlich nichts zu tun. Jene scheinen ja zu versprechen, dass man in 10 Tagen malen lernen und spätestens nach 100 Tagen die erste Retrospektive beschicken könnte.

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